Clericus Cup im Vatikan
Bild: © KNA
Ein Pro und Contra

Wollen wir wissen, ob ein Fußballstar an Gott glaubt?

Buntes - Bayern-Trainer Niko Kovac verriet am Wochenende in einem Interview, dass er "gläubiger Christ" sei und 40-mal im Jahr in die Kirche gehe. Stefanie Heinrichs meint, solche Nachrichten braucht die Welt nicht. Thomas Jansen findet, christliche Stars können gute Vorbilder sein.

Von Stefanie Heinrichs |  Bonn - 20.08.2018

Contra: Brauche keine frommen Fußballer

Der Fußball hat einen neuen christlichen Superstar: Niko Kovac, neuer Star-Trainer des FC Bayern München. Als großer Fußball-Fan frage ich mich, warum diese Meldung? Sportlich betrachtet hat sie keinen Einfluss auf die Leistung des Rekordmeisters in die bald startende Bundesliga-Saison, denn Kovac ist nicht der erste Christ auf der Trainerbank. Braucht es also für die Christen in Deutschland einen prominenten Trainer, der im Boulevard seines Glaubens wegen "medial ausgeschlachtet" wird? Braucht es den Zusammenhang "Bayern Trainer = vorbildlicher Christ" in den großen Gazetten des Landes, um mich zu meinem Glauben zu bekennen?

Ich finde, nicht. Denn außerhalb der bunten Promi-Meldungen begegnen mir viele Katholiken, die mich durch ihre Glaubenszeugnisse beeindrucken und mir in meinem Alltag viel näher sind. Anfang des Monats machten sich über 60.000 Jugendliche nach Rom zur Ministrantenwallfahrt nach Rom auf, um gemeinsam ihren Glauben zu feiern. 60.000, die gemeinsam gebetet haben, die gepilgert sind bei sommerlichen Temperaturen, die stundenlang auf den Papst gewartet haben und in Gesprächen miteinander viel über die Kirche geredet haben.

Glaube findet sich nicht in bunten Meldungen über einen fremden Menschen, sondern an der "Basis" meiner Gemeinde und im Austausch mit den Vorbildern meines Alltags. Sie bewegen mich mehr als ein gläubiger Bundesligatrainer in den Medien.

Von Stefanie Heinrichs

Niko Kovac, Trainer der Fußball-Bundesliga-Mannschaft Eintracht Frankfurt.

Niko Kovac.

Pro: Interessanter als Matthäus' Bettgeschichten

Wozu muss ich wissen, dass Bayern-Trainer Niko Kovac ein gläubiger Christ ist und 40-mal im Jahr in die Kirche geht? Oder dass Boateng ein Kreuz-Tattoo trägt und Mario Götze an Gott glaubt? Immer wieder stürzen sich vor allem christliche Medien begierig auf Interviews, in denen bekannte Fußballer oder Trainer sich als Christen outen. Und immer wieder ist der gleiche verächtliche Einwand zu hören: "Was interessiert mich, ob ein Spieler oder Trainer in die Kirche geht? Hauptsache die Performance auf dem Platz stimmt."

Doch warum sollte es nicht interessant sein, zu erfahren, ob ein Fußballer, den man schätzt, den eigenen Glauben teilt? Das ist allemal interessanter als die Bettgeschichten von Lothar Matthäus. Glaube braucht Vorbilder, Persönlichkeiten, die begeistern, die mitreißen. Früher waren das in der katholischen Kirche die Heiligen. Aber die stehen für die meisten Jugendlichen seit langem im Abseits. Was soll daran schlecht sein, dass nun Fußballer diese Lücke füllen? Wenn Jugendliche sehen, dass auch coole Typen in die Kirche gehen, motiviert sie das. Und mir – Jahrgang 1976 – geht es ehrlich gesagt noch ebenso. Boulevard-Journalismus muss sich doch nicht immer nur mit Sex and Crime beschäftigen. Ich jedenfalls lese auch künftig weiter gerne von Fußballern, die an Gott glauben.

Von Thomas Jansen