Pater Federico Lombardi im Jahr 2018
Besuch beim ehemaligen Vatikansprecher

Was macht eigentlich Pater Lombardi?

Seit zwei Jahren ist Federico Lombardi nicht mehr Vatikansprecher. Der 76-jährige Jesuit arbeitet aber dennoch nicht weit weg vom vatikanischen Pressesaal. Seine neue Funktion führt dazu, dass er hin und wieder den emeritierten Papst Benedikt XVI. trifft.

Von Agathe Lukassek |  Vatikanstadt - 17.11.2018

Eigentlich ist Federico Lombardi in Ruhestand gegangen. Am 31. Juli 2016 verabschiedete sich der damals 73-jährige Jesuit aus der Öffentlichkeit – im Flugzeug aus Polen nach Italien, dem Rückflug seiner letzten Papstreise als Vatikansprecher. Aber langweilig ist es dem Ordensmann nicht: Bereits einen Tag nach seiner Verabschiedung als Leiter des vatikanischen Presseamts wurde Lombardi zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats der vatikanischen Stiftung "Joseph Ratzinger - Benedikt XVI." ernannt. Die neue Aufgabe bringt es mit sich, dass Lombardi auch nach dem Rücktritt von seinen vatikanischen Medienämtern noch gelegentlich mit Benedikt XVI. zusammentrifft.

Als Vorsitzenden des Verwaltungsrats arbeitet Lombardi nun am anderen Ende der Via della Conciliazione – schräg gegenüber der Engelsburg. Seine beiden alten Arbeitsplätze, die "Sala Stampa" des Vatikan sowie die Redaktionsräume von Radio Vatikan sind nur wenige Meter entfernt. Aber seine Wohnung ist nicht mehr die nahegelegene Jesuitenkurie im Borgo Santo Spirito. Inzwischen wohnt Lombardi in einer Jesuitenkommunität mitten in der Innenstadt Roms, hinter der Spanischen Treppe. Dort ist auch der Sitz der renommierten Jesuitenzeitschrift "La Civiltà Cattolica". Lombardi bezeichnet sich als den "religiösen Superior" der Kommunität. "Ich besuche die Alten und sorge für das geistliche Leben im Haus", sagt er gegenüber katholisch.de.

Jeden Tag viel zu Fuß unterwegs

Die rund 2,5 Kilometer von seiner Unterkunft zum Sitz der Stiftung am Vatikan läuft der inzwischen 76-Jährige zu Fuß. Und darüber ist er auch froh: Er habe sich vor drei Jahren einer Hüft-Operation unterzogen, berichtet er. Zuvor habe ihm das Gehen sichtliche Probleme bereitet, nun ginge es ihm viel besser. Lombardi führt in den Konferenzsaal der Stiftung. An einer blau getünchten Wand hängt ein riesiges Gemälde, das Papst Benedikt XVI. thronend im Schatten des Petersdoms zeigt. Auf der anderen Seite hängen mehr als 20 große gerahmte Fotos, die die bisherigen Preisträger des Ratzinger-Preises zeigen. Darunter findet sich eine Kommode, auf der Benedikt-Postkarten, Flyer der Stiftung und einige Bücher über den emeritierten Papst ausgestellt sind.

Porträtgemälde von Papst Benedikt XVI.

Ein großes Gemälde, das Papst Benedikt XVI. (2005-2013) zeigt, hängt in einem Raum der vatikanischen Stiftung "Joseph Ratzinger - Benedikt XVI."

Eben für den Ratzinger-Preis ist die Stiftung bekannt – und die seit 2011 verliehene Auszeichnung ist zudem der Grund, warum Lombardi derzeit viel zu tun hat. An diesem Samstag wird der Preis an die in Wien lehrende deutsche Theologieprofessorin Marianne Schlosser sowie an den Schweizer Architekten Mario Botta verliehen. Schlosser wird vor allem als Kennerin der mittelalterlichen Theologie sowie des Franziskanertheologen Bonaventura geehrt, Botta für den Entwurf von rund 20 Sakralbauten. Zum wissenschaftlichen Beirat der Stiftung gehören fünf Kurienkardinäle sowie der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, der zugleich Direktor des Instituts Papst Benedikt XVI. ist, das die gesammelten Schriften Ratzingers herausgibt.

Auch mit dem Regensburger Institut arbeitet Lombardi zusammen. Vor wenigen Tagen veranstalteten sie an der LUMSA-Universität ein gemeinsames Symposium zum Thema "Fundamentale Rechte und Konflikte zwischen den Rechten". Grußworte schickten sowohl der emeritierte Papst als auch Papst Franziskus. Lombardi berichtet, dass seine Stiftung noch einen weiteren Preis für theologische Forschung und Lehre vergibt, der nach einem Denkprinzip Ratzingers benannt ist: "Offene Vernunft" ("Razon Abierta"). Vor wenigen Tagen erschien zudem ein Buch über ein internationales und hochkarätig besetzes Symposion in Costa Rica zur Umweltenzyklika Laudato si und der Lehre der beiden Päpste zur Ökologie des Menschen. Weiter unterhält die Stiftung eine Bibliothek in der deutschen Enklave Campo Santo Teutonico im Vatikan und vergibt Forschungsstipendien.

Seine Erfahrungen aus zehn Jahren als Vatikansprecher setzt Lombardi aber auch weiterhin ein. "Durch die beiden Pontifikate habe ich etwas Erfahrung in der Pressearbeit bezüglich der Missbrauchsfälle", sagt er und berichtet, dass er seinen Ordensbruder Hans Zollner bei Tagungen und bei der Vorbereitung von Pressekonferenzen unterstützt. Der deutsche Jesuitenpater leitet das Kinderschutzzentrum an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und ist Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission.

Porträtfotos der bisherigen Träger des Ratzinger-Preises

In einem Raum der vatikanischen Stiftung "Joseph Ratzinger - Benedikt XVI." hängen Porträtfotos aller bisherigen Träger des Ratzinger-Preises.

Zur Rolle von Papst Benedikt XVI. beim Missbrauchsskandal hatte sich Lombardi bereits Anfang 2017 öffentlich geäußert: Benedikt XVI. sei es zu verdanken, dass eine "Perspektive des bewussten Hinsehens" eingenommen worden sei, so der Jesuit. Damit sei einer "mitwissenden und mitschuldigen Kultur des Schweigens und der bewussten Vertuschung" eine Absage erteilt worden, die lange Zeit die Haltung der Kirche gekennzeichnet habe. Benedikt sei es darum gegangen, "sich auf einen Weg der Reinigung und der Wahrheit zu begeben". Auch Papst Franziskus habe "unmissverständliche Worte gesprochen" und versuche, den Weg der Kirche hin zu einer "Kultur der Reinigung und Prävention" aufrechtzuerhalten.

Immer noch als Journalist aktiv

Lombardi sagt von sich, dass er als Vatikansprecher versucht habe, sich die Haltung und den Stil von Papst Benedikt zu Eigen zu machen, wenn er vor Journalisten Antworten zu geben hatte. Auch wenn er nun nicht mehr mit schwarzem Kollarhemd und Jackett vor der grauen Wand im vatikanischen Pressesaal sitzt, sondern seine Gäste in legerer Zivilkleidung in der Stiftung empfängt, spricht er noch in demselben ruhigen und sachlichen Ton und mit dem exzellenten Italienisch eines Intellektuellen aus dem Piemont. Manchmal wechselt Lombardi auch ins Deutsche – von 1969 bis 1973 hatte er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt Theologie studiert.

Direkt im Anschluss an sein Studium und die Priesterweihe arbeitete Lombardi für die "Civiltà Cattolica", von 1977 bis 1984 als Chefredakteur. Seit diesem Jahr lebt er also wieder bei seiner alten Redaktion. Er betont zwar, dass er keine Funktion innerhalb der Zeitschrift innehabe, aber ab und an schreibt er dennoch für sie. So finden sich in der letzten Ausgabe zwei Beiträge von Lombardi zum Thema China. Warum China? Das hängt mit einem weiteren Jesuiten zusammen: Er sei an dem 2010 wiederaufgenommenen Seligsprechungsprozess für Matteo Ricci (1552-1610) beteiligt, des italienischen Missionars, der sich am Chinesischen Kaiserhof einen Namen machte.

Von Agathe Lukassek