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Die Europawahl: Warum wir an ihr teilnehmen sollten!

Am kommenden Sonntag findet in Deutschland die Wahl zum Europaparlament statt. Für Joachim Valentin ist das ein guter Grund, sich auf die Errungenschaften der EU zu besinnen – und durch den Urnengang etwas gegen Rechtspopulismus zu tun.

Von Joachim Valentin |  Bonn - 24.05.2019

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Am kommenden Sonntag geschieht wieder etwas, dessen Rasanz lange unter dem Teppich des Gewohnt-Lästigen verschwunden war: 418 Millionen Wahlberechtigte wählen in 28 europäischen Staaten ein gemeinsames Parlament. Gewohnt lästig, denn Europa ist geradezu zum Ekel-Thema geworden - etwa durch Sprüche (und Praktiken) wie "Hast Du einen Opa, dann schick ihn nach Europa" und die Unwilligkeit der heimischen Presse und Politik, das, was von visionären Gestalten wie Adenauer, Schumacher und Kohl entwickelt worden war, zu würdigen und zu pflegen. Angenehmes wurde lange als eigene Errungenschaft gefeiert, Unangenehmes als europäische Last verteufelt. Ähnlich wie im Fall unseres Grundgesetzes, das jahrzehntelang ziemlich verstaubt herumlag und nun mit neuem Elan gefeiert und gewürdigt wird, haben uns aber aktuelle Umbrüche und seine Gefährdung den Wert eines geeinten Europas wieder neu wahrnehmen und verstehen lassen.

Wenn der überall wütende europa- und demokratiefeindliche Rechtspopulismus nämlich irgendeinen Sinn hatte, dann den, uns aufzuschrecken und zu erinnern, dass es tatsächlich etwas Essentielles zu verteidigen gilt. "Wir", das sind in diesem Fall die Über-30-Jährigen, denn mindestens den "Millenials", also den um 2000 Geborenen sind Internationalität, gemeinsame Währung, Mehrsprachigkeit, grenzüberschreitendes Reisen und Leben in Schüleraustauschen und im Ausland verbrachten freiwillig-sozialen- und Studienjahren (Erasmus sie Dank!) so selbstverständlich, dass sie kaum des Nachdenkens wert sind.

"'Machen' ist wie 'Wollen', nur krasser", würden die Jungen vielleicht sagen und so haben es sich auch die christlichen Kirchen erstmals seit langem nicht nehmen lassen, zur Teilnahme an dieser Wahl aufzurufen, denn in diesem Parlament einer demokratischen Partei seine Stimme zu geben, das ist das Mindeste, was man als Christ für Europa "machen" kann: "Die europäischen Werte und Prinzipien von der Achtung der Menschenwürde, über Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und der Wahrung der Menschenrechte korrespondieren mit unseren grundlegenden christlichen Werten und Überzeugungen." Diesem Satz aus dem gemeinsamen Wahlaufruf von EKD und DBK ist nichts mehr hinzuzufügen.

Von Joachim Valentin

Der Autor

Joachim Valentin ist Direktor des katholischen Kultur- und Begegnungszentrums "Haus am Dom" in Frankfurt am Main und Vorsitzender des Frankfurter Rates der Religionen.

Hinweis

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