Weltwirtschaftssystem bevorteile reiche Staaten

Theologe: Deutschland und EU mitverantwortlich für weltweite Armut

Aktualisiert am 02.06.2019  –  Lesedauer: 
Drei Kinder stehen schüchtern vor einem Holzverschlag in einem philippinischen Slum
Bild: © Misereor

Freiburg ‐ Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff sieht Wechselwirkungen zwischen dem Wohlstand in Europa und dem Ausbleiben ökonomischer Erfolge in vielen Ländern der Welt. Daher müsse auch das Bild von der Europäischen Union korrigiert werden.

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Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff sieht eine Mitverantwortung Deutschlands und Europas für Armut in weiten Teilen der Welt. Zwischen dem Wohlstandsniveau in der EU und dem "Ausbleiben ökonomischer Erfolge auf der Verliererseite des Weltwirtschaftssystems" bestünden "ursächliche Wechsel- und Verstärkerwirkungen", sagte Schockenhoff bei der Vertreterversammlung des Kartellverbands katholischer deutscher Studentenvereine am Samstagabend in Freiburg.

Die bedrückende Armut großer Bevölkerungsteile in vielen Staaten sei durch jeweilige nationale Missstände wie Korruption oder schlechte Regierungsführung mitverursacht, zugleich führe aber auch das Weltwirtschaftssystem zu Armut, weil es reiche Staaten bevorteile, so der Ethiker. Insofern müsse das vielfach gezeichnete Bild von der EU als weltweitem Modell für Frieden und Wohlstand korrigiert werden. "Europa ist nicht nur Teil der Lösung, sondern zugleich tief in die ungelösten Probleme des Welthandelssystems verstrickt, das den ärmsten Staaten der Erde und ihren Bevölkerungen gerechte Entwicklungschancen vorenthält."

Schockenhoff sprach bei der Jahrestagung des Kartellverbands, der nach eigenen Angaben bundesweit rund 16.000 Mitglieder hat. Davon sind aktuell etwa 2.000 Studierende. Zur Jahrestagung kamen am Wochenende rund 200 Teilnehmer. (mal/KNA)