Schwester Charis Doepgen über das Sonntagsevangelium

Was es braucht, um Jesus nachzufolgen

Aktualisiert am 29.06.2019  –  Lesedauer: 
Jesus lehrt in der Synagoge
Bild: © dpa/akg-images
Ausgelegt!

Bonn ‐ Im Sonntagsevangelium verweist Jesus auf die weniger attraktiven Konsequenzen der Berufung in seinen Dienst. Gemeint sind damit nicht nur die damaligen Jünger, sondern alle Christinnen und Christen. Schwester Charis Doepgen fragt: Wieviel Konsequenz vertragen wir?

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Impuls von Schwester Charis Doepgen

Der "Weg nach Jerusalem" ist bei Lukas ein Schlüsselwort für Jesu Entschlossenheit, dem möglichen Scheitern nicht auszuweichen. Nur wenige Verse vor dem heutigen Evangelium heißt es bei der Verklärung auf Tabor: Mose und Elia sprachen mit Jesus von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte (vgl. Lk 9,31). Die buchstäbliche Geradlinigkeit Jesu zeigt sich in der Tatsache, dass er das Gebiet der Samariter nicht umgeht, obwohl zu erwarten war, dass er als Jude dort nicht willkommen ist. Und so ist der erste Frust auf dem Weg gleich vorprogrammiert. Unerwünschte Person zu sein, tut weh. Die Jünger scheinen zu spüren, dass Jesus jetzt Trost braucht. Das Angebot von Jakobus und Johannes passt zwar zu ihrem Spitznamen "Donnersöhne" (vgl. Mk 3,17), aber deutet auch eine gewisse kindliche Überschätzung ihrer Fähigkeiten an. Jesus reagiert ernst und konsequent.

Der Weg geht weiter. Und wie um die erste Enttäuschung wett zu machen, tauchen drei Kandidaten für die Nachfolge Jesu auf. Jede Stelle für kirchliche Berufungspastoral würde alles tun, um diese Hoffnungsträger nicht zu schockieren. Einer war sogar von Jesus selbst eingeladen, die anderen beiden haben quasi schon ihr "adsum" gesprochen mit ihrem "Ich will dir nachfolgen... ". Und was macht Jesus? Er lenkt den Blick nüchtern auf die wenig attraktiven Konsequenzen einer Berufung in seinen Dienst. Daraufhin herrscht jeweils Stille. Kein zweites Nachfragen. Es muss uns nicht verwundern, wenn viele nach einer solchen Auskunft kleinlaut verschwinden. Wir erfahren nicht, was die drei letztendlich gemacht haben. Genau an diesem Punkt sollte uns spätestens aufgehen, dass es nicht um die drei Männer damals geht, sondern um uns. Für alle – auch die, die nicht gefragt haben – sind die Antworten Jesu bedeutsam.

Nachfolge Jesu, häufig als Terminus technicus gebraucht für die Profis in den Orden, meint jede Christin und jeden Christen. Für alle Getauften hat der Weg mit Jesus schon begonnen. Heute hören wird drei Voraussetzungen, die Jesus wichtig sind: Die Sorglosigkeit und Flexibiltät, die sich nicht an die materielle Kette legen lassen. Zum Zweiten ein wacher Geist, der nie Jesu Wort vergißt: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben" (Joh 10,10). Schließlich eine dem Leben zugewandte Einstellung, die weiß, dass unsere Zukunft nicht in der Vergangenheit liegt.

Was für einen Jesus wollen wir? Nur den sanften Menschenfreund? Wieviel Konsequenz vertragen wir? Wieviel Kompromisse dulden wir? Heute sind wir gefragt.

Von Sr. Charis Doepgen OSB

Evangelium nach Lukas (Lk 9,51–62)

Als sich die Tage erfüllten, dass er hinweggenommen werden sollte, fasste Jesus den festen Entschluss, nach Jerusalem zu gehen.

Und er schickte Boten vor sich her. Diese gingen und kamen in ein Dorf der Samaríter und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen.

Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.

Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie verzehrt?

Da wandte er sich um und wies sie zurecht.

Und sie gingen in ein anderes Dorf.

Als sie auf dem Weg weiterzogen, sagte ein Mann zu Jesus: Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst.

Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.

Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben!

Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!

Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich Abschied nehmen von denen, die in meinem Hause sind.

Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

Die Autorin

Schwester Charis Doepgen OSB ist Benediktinerin in der Abtei St. Erentraud in Kellenried bei Ravensburg.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreiben Ordensleute und Priester für uns.