Der erste Gottesdienst von Papst Franzikus wird über Video-Leinwand.
Bild: © KNA
Papst Franziskus predigt frei bei seinem ersten Gottesdienst

"Ohne Gott nur fromme NGO"

Vatikan - Papst Franziskus hat die katholische Kirche davor gewarnt, Gott aus dem Blick zu verlieren. Ohne die Verkündigung Jesu "werden wir eine fromme Nichtregierungs-Organisation", sagte er am Donnerstagabend in seiner ersten Messe als Papst. Die frei gehaltene Predigt über das Kreuz war kurz und konzentriert:

Vatikanstadt - 14.03.2013

"Wenn wir ohne das Kreuz voranschreiten, aufbauen und bekennen, dann sind wir keine Jünger des Herrn", sagte Franziskus vor den Kardinälen in der Sixtinischen Kapelle.

Der neue Papst sprach leise und im Stehen. Er forderte die 114 Wahlmänner auf, mutig das Kreuz Christi auf dem Weg durch die Welt und die Zeit zu tragen und es zu bezeugen. Die Kirche müsse diesen Weg gehen, ohne stehen zu bleiben, sie müsse aufbauen und Christus bekennen.

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz zum neuen Papst Franziskus

"Wenn wir ohne das Kreuz gehen und bauen, sind wir zwar Bischöfe, Priester, Kardinäle oder Päpste, doch keine Jünger des Herrn", hob der Papst in seiner siebenminütigen Predigt hervor. In all dem gehe es um Bewegung, sagte Franziskus. Dies sei aber nicht immer einfach, weil es immer auch Bewegungen gebe, die einen zurückwerfen.

Die alte Mitra benutzt?

Der Gottesdienst "pro ecclesia" (für die Kirche) beendete offiziell das Konklave. Der neue Papst schritt am Ende einer Prozession, in der Hand den Kreuzesstab ("Ferula"), den auch sein Vorgänger benutzt hatte. Auf dem Kopf trug er die gleiche Bischofsmitra wie die Kardinäle, allerdings mit einem aufgestickten Kreuz. Wahrscheinlich sei es seine Mitra, die er nach Rom mitgebracht habe, mutmaßten TV-Kommentatoren.

Mit Franziskus feierten an einem vor Michelangelos Jüngstem Gericht aufgestellten Altar die Kardinäle Giovanni Battista Re und Tarcisio Bertone. Re hatte als ältester Kardinalbischof die Papstwahl geleitet, Bertone war Camerlengo der Kirche während der Sedisvakanz. - Der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio war am Dienstag von den Kardinälen zum Papst gewählt worden und gab sich den Namen Franziskus. (luk/dpa/KNA)

Die Predigt im Wortlaut

Radio Vatikan dokumentiert die kurze Predigt von Papst Franziskus in einer deutschen Arbeitsübersetzung: In diesen drei Lesungen [die wir gehört haben, Einf. d. R.], so sehe ich, gibt es etwas Gemeinsames: das ist die Bewegung. In der ersten Lesung ist die Bewegung das Schreiten; in der zweiten Lesung besteht die Bewegung im Aufbau der Kirche; in der dritten Lesung ist im Evangelium die Bewegung der Bekenntnis. Gehen, aufbauen und bekennen. Das Schreiten. Haus des Jakob: "Kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn". Dies ist das erste, was Gott zu Abraham sagte: "Geh deinen Weg vor mir und sei tadellos". Schreiten: unser Leben ist ein Weg und wenn wir stehenbleiben, dann funktioniert das nicht. Immer weiterschreiten, mit dem Herrn, im Licht des Herrn, und versuchen, mit dieser Tadellosigkeit zu leben, die Gott von Abraham verlangt, in seinem Versprechen. Aufbauen. Die Kirche aufbauen. Da spricht man von Steinen: Steine haben Bestand; aber lebender Fels, der für den Heiligen Geist gesalbt ist. Die Kirche aufbauen, die Braut Christi, auf diesem Eckstein, welcher der Herr selbst ist und, mit einer anderen Bewegung unseres Lebens, aufbauen. Drittens, Bekennen. Wir können so viel schreiten, wie wir wollen, wir können viele Dinge aufbauen, aber wenn wir uns nicht zu Jesus Christus bekennen, dann funktioniert das nicht. Wir werden ein bemitleidenswertes Ding, aber nicht die Kirche, die Braut des Herrn. Wenn man nicht voranschreitet, bleibt man stehen. Wenn man nicht auf Felsen baut, was passiert dann? Es passiert das, was Kindern am Strand passiert, wenn sie Sandburgen bauen: alles fällt in sich zusammen und ist ohne Bestand. Wenn man sich nicht zu Jesus Christus bekennt – da fällt mir der Satz von Leon Bloy ein: "Wer nicht zum Herrn betet, betet den Teufel an". Wenn man sich nicht zu Jesus Christus bekennt, bekennt man sich zur Weltlichkeit des Teufels, zur Weltlichkeit des Dämons. Voranschreiten, bauen - aufbauen, bekennen. Aber die Sache ist nicht so leicht, weil im Schreiten, im Aufbauen, im sich Bekennen gibt es manchmal Erschütterungen, gibt es Bewegungen, die nicht Bewegungen des Lebensweges sind: es sind Bewegungen, die einen zurückreißen. Dieses Evangelium fährt fort mit einer besonderen Situation. Derselbe Petrus, der sich zu Jesus Christus bekannt hat, sagt ihm: "Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Ich folge dir, aber wir sprechen nicht vom Kreuz. Das gehört nicht hierher." "Ich folge dir mit anderen Möglichkeiten, ohne das Kreuz". Wenn wir ohne das Kreuz voranschreiten, wenn wir ohne das Kreuz aufbauen und wenn wir uns zu einem Christus ohne Kreuz bekennen, dann sind wir keine Jünger des Herrn: wir sind weltlich, wir sind Bischöfe, Priester, Kardinäle, aber keine Jünger des Herrn. Ich wünsche mir, dass wir alle nach diesen Tagen der Gnade den Mut haben – wirklich den Mut – in Anwesenheit des Herrn zu schreiten, mit dem Kreuz des Herrn; die Kirche auf dem Blut des Herrn aufzubauen, das am Kreuz vergossen wurde; und uns zur einzige Herrlichkeit zu bekennen, zum gekreuzigten Christus. Und so wird die Kirche voranschreiten. Ich wünsche uns allen, dass der Heilige Geist, das Gebet der Gottesmutter, unserer Mutter, uns diese Gnade zugesteht: voranschreiten, aufbauen, uns zum gekreuzigten Jesus Christus zu bekennen. So soll es sein. (Radio Vatikan)