"Maria 2.0" will sich nicht am "synodalen Weg" beteiligen
Kirchenleitung soll auf Protestbewegung zugegangen sein

"Maria 2.0" will sich nicht am "synodalen Weg" beteiligen

Sie sollte stimmberechtigte Mitglieder in das Frauen-Forum des "synodalen Wegs" entsenden: Doch die Protestbewegung "Maria 2.0" lehnte dieses Angebot ab. So begründen die Frauen ihre Entscheidung.

Münster - 03.09.2019

Die katholische Protestbewegung "Maria 2.0" will keine Vertreterinnen in die Beratungen zum "synodalen Weg" entsenden. Vertreter der Kirchenleitung hätten bei "Maria 2.0" angefragt, beim "synodalen Weg" als stimmberechtigte Mitglieder des "Frauen-Forums" mitzumachen, sagte "Maria 2.0"-Mitbegründerin Lisa Kötter am Montag dem Münsteraner Online-Magazin "Kirche und Leben". Die Initiative habe sich jedoch gegen eine solche Beteiligung entschieden.

"Lassen uns nicht vereinnahmen"

"Wir wollen frei bleiben, uns nicht vereinnahmen lassen und uns keine Struktur geben", begründete Mitinitiatorin Andrea Voß-Frick die Entscheidung. Unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals hatten die katholischen Bischöfe im Frühjahr einen "verbindlichen synodalen Weg" zur Erneuerung der Kirche angestoßen. Mit ihm wollen sie und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken Lehren aus dem Skandal ziehen und Vertrauen zurückgewinnen.

"Maria 2.0" plant, in einer zweiten Aktionswoche mit neuen Aktionen auf die Notwendigkeit von Reformen und der Gleichberechtigung von Männern und Frauen in der Kirche hinzuweisen. Vom 2. bis 8. Oktober wollen wieder Hunderte Gruppen für eine geschlechtergerechte Kirche demonstrieren. Darin werde diesmal aber nicht zu einem "Kirchenstreik" aufgerufen, hieß es; im Mittelpunkt stünden selbst organisierte Gottesdienste und Gespräche. Zur Vorbereitung trafen sich mehr als 50 Vertreterinnen von bundesweiten "Maria 2.0"-Gruppen in Münster. Aktivistinnen aus Kassel, Köln, Würzburg. Osnabrück und Paderborn nahmen teil.

Eklat rund um "Maria 2.0" in Unterfranken

Bei der ersten Aktionswoche im Mai hatte die Initiative Frauen aufgerufen, eine Woche lang weder eine Kirche zu betreten noch ehrenamtlich tätig zu werden. Dem Appell waren nach Angaben der Initiatorinnen über 1.000 Gruppen in ganz Deutschland gefolgt. "Maria 2.0" setzt sich unter anderem für den Zugang von Frauen zu allen Ämtern in der Kirche ein.

Vor drei Wochen hatte es in Unterfranken einen Eklat rund um "Maria 2.0" gegeben. In Forst im Landkreis Schweinfurt warf der Ortspfarrer Aktivistinnen der Bewegung aus dem Gottesdienst. Nachdem diese die Kirche zunächst nicht verlassen wollten, ließ er die Feier ausfallen. Anlass der Auseinandersetzung war eine Aktion von "Maria 2.0"-Aktivistinnen Ende Mai. Bei einer Andacht hatten Frauen einer Marienstatue in der Kirche einen weißen Schal umgehängt, das Erkennungszeichen der Bewegung. Der Pfarrer riss der Figur daraufhin den Schal herunter. (tmg/KNA)