Eine junge Frau sitzt in einer Kirchenbank.
Vorbereitung auf "synodalen Weg"

Kfd zu Frauenweihe: Das Totschlagargument Weltkirche zieht nicht

Ob der "synodale Weg" ein Erfolg werden kann, hängt vom Umgang mit der Frauenfrage ab – da ist sich Agnes Wuckelt sicher. Die stellvertretende Bundesvorsitzende der kfd meint, dass das Kirchenrecht in diesem Bereich schon jetzt deutlich mehr Möglichkeiten biete – die aber nicht in allen Bistümern gewollt seien und ausgeschöpft würden.

Von Matthias Altmann |  Bonn - 18.09.2019

Ein schlichter Verweis auf die Weltkirche, um das Thema Frauenweihe abzuwiegeln – von einer solchen Argumentationsweise lässt sich die stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Agnes Wuckelt, nicht überzeugen. Beim "synodalen Weg" will sie darüber mit den Bischöfen diskutieren. Neben allen inhaltlichen Diskussionen sei es aber auch wichtig, die Ergebnisse des Prozesses wirksam in die kirchliche Öffentlichkeit zu transportieren.

Frage: Frau Wuckelt, kurz vor der erweiterten Gemeinsamen Konferenz von ZdK und DBK sorgte ein Brief der vatikanischen Bischofskongregation für Wirbel, in dem die Struktur des "synodalen Wegs" kritisiert wird. Wie wurde das bei den Mitgliedern aufgenommen?

Wuckelt: Im Grunde recht gelassen. Sowohl Bischof Franz-Josef Bode als auch Kardinal Reinhard Marx haben betont, dass die Intervention aus Rom auf einem Protokoll von Ende Juni basiert. Inzwischen ist von Seiten der DBK und dem ZdK an den Statuten des "synodalen Wegs" gearbeitet worden. Der Hauptkritikpunkt war ja, dass Laien in Fragen dieser Art, wie wir sie verhandeln, keine Entscheidungen treffen können. Das ist jetzt dahingehend im Statut geregelt, dass die Laien zwar mitbestimmen können, aber alle Entscheidungen von den einzelnen Ortsbischöfen in Kraft gesetzt werden müssen.

Frage: DBK und ZdK haben gemeinsam einen Brief an Papst Franziskus geschrieben. Darin heißt es, dass der "synodale Weg", wie vom Pontifex in seinem Brief vom Juni gefordert, vom 'Primat der Evangelisierung' her angegangen wird. Was heißt das für die Arbeit in den Vorbereitungsforen, besonders im Forum "Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche"?

Wuckelt: Im Frauen-Forum haben wir bisher immer versucht, die spirituelle Dimension und den Blick auf die Verkündigung des Evangeliums nicht aus dem Blick zu lassen. Was ist die Botschaft des Evangeliums? Lassen sich die Dogmatisierungen und Festlegungen der vergangenen Jahrhunderte mit ihr vereinbaren? Diese vier Themen, über die wir beim "synodalen Weg" sprechen, sind Indizien dafür, dass sich in der Kirche etwas verselbstständigt hat, was nicht mehr evangeliumsgemäß ist. Unter dieser Fragestellung müssen wir unsere Strukturen kritisch beleuchten. Wir wollen der Gesellschaft signalisieren, dass wir diese Strukturen ändern wollen. Auf der geistlichen Ebene bedeutet das, das Evangelium wieder sichtbar zu machen.

Bild: © Foto: kfd

Agnes Wuckelt ist stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Die emeritierte Theologieprofessorin an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Paderborn ist Mitglied im Forum "Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche" des "synodalen Wegs".

Frage: Bei der erweiterten Gemeinsamen Konferenz haben die vier Vorbereitungsforen des "synodalen Wegs" den Stand ihrer bisherigen Beratungen vorgestellt. Wie sieht es im Frauen-Forum aus?

Wuckelt: Zunächst haben wir uns vergewissert, mit welchen Erwartungen die Forumsmitglieder zusammengekommen sind. Dabei wurde uns bewusst, dass dieses Forum eines der wichtigsten ist, weil es hier letztendlich darum geht, ob dieser "synodale Weg" zu einem wirklichen Reformprozess wird. Dann haben wir uns angesehen, was im Hinblick auf Frauen in der Kirche schon alles möglich ist und ob wir da schon alles erreicht haben. Wir machen in unserem bisherigen Arbeitspapier deutlich: Wenn es darum geht, Frauen an Leitungspositionen in der Kirche zu beteiligen, bietet das Kirchenrecht noch eine Menge an Möglichkeiten, die aber nicht in allen Bistümern gewollt sind und realisiert werden. Dabei muss auch neu bedacht werden, ob alle Leitungspositionen in unserer Kirche tatsächlich die Weihe erforderlich machen. Könnten nicht hochrangige Positionen wie die des Generalvikars oder die Leitung einer Nuntiatur auch Frauen bekleiden? Als dritten Schritt haben wir theologische Positionen in der Frauenfrage eingeholt, die bereits vorliegen, aber vom kirchlichen Lehramt bisher nicht rezipiert worden sind.

Frage: Würden Sie sich damit zufrieden geben, wenn alle deutschen Bistümer sich dazu verpflichten, die kirchenrechtlichen Möglichkeiten im Hinblick auf Frauen in Führungspositionen auszuschöpfen?

Wuckelt: Das würden wir natürlich äußerst begrüßen, aber es reicht nicht aus. Damit wird nicht in den Blick genommen, dass es eine geistliche Berufung von Frauen zum Priesteramt gibt. Gerade diese wird Frauen aber unter anderem in der Enzyklika "Ordinatio sacerdotalis", die das Priestertum für Frauen explizit ablehnt, abgesprochen. Meine große Hoffnung ist, dass diejenigen, die für das Lehramt stehen und sagen, daran gibt es nichts mehr zu rütteln, das nochmal auf den Prüfstand stellen. Dass wir beim "synodalen Weg" unter Anwesenheit von Bischöfen darüber sprechen dürfen, werte ich als kleinen Schritt in diese Richtung.

Frage: Gibt es unter Ihnen und Ihren Mitstreitern im Frauen-Forum weitestgehend Einigkeit oder wird auch kontrovers diskutiert?

Wuckelt: Es muss kontrovers diskutiert werden. Am ehesten formulieren die Bischöfe aufgrund der Lehrmeinung Einwände. Es gibt aber auch unter den Frauen welche, die mit der aktuellen Situation zufrieden sind, etwa mit der Stellung der Frau. Auch einige Theologinnen stehen auf der Seite der Bischöfe, die der Meinung sind, dass die kirchliche Lehrmeinung eindeutig und endgültig sei.

Frage: Welche sind die Punkte, bei denen am wenigsten Übereinstimmung vorherrscht?

Wuckelt: Am kontroversesten wird über die Bedeutung und Stellung der Enzyklika "Ordinatio sacerdotalis" diskutiert, das heißt, wie definitiv das Nein zur Priesterweihe von Frauen ist. Ein weniger strittiger Punkt ist der Diakonat der Frau. Hier liegen die Uneinigkeiten nicht in der Frage, ob Frauen überhaupt Diakoninnen sein können, sondern im Hinblick auf den Weihegrad: Die einen sind für einen Diakonat der Frau "light" mit einer Aussendungsfeier wie bei den Pastoralreferentinnen; die anderen sagen, wir brauchen einen Frauendiakonat mit Weihe. Die Auseinandersetzung kreist vor allem darum, ob der Diakonat im dreigliedrigen Weiheamt die erste Stufe ist oder nicht.

Wenn es darum geht, Frauen an Leitungspositionen in der Kirche zu beteiligen, bietet das Kirchenrecht noch eine Menge an Möglichkeiten, die aber nicht in allen Bistümern gewollt sind und realisiert werden.

Zitat: Agnes Wuckelt, stellvertretende Bundesvorsitzende der kfd

Frage: Wie sieht auf den beiden Seiten die Argumentation aus?

Wuckelt: Diejenigen, die sich gegen eine sakramentale Diakonatsweihe von Frauen stellen, befürchten, dass damit der erste Schritt zum Priestertum der Frau getan ist – und das sei ja auf dem Hintergrund von "Ordinatio sacerdotalis" undenkbar. Aber der Ständige Diakonat, wie wir ihn in Deutschland kennen, ist beispielsweise keine Vorstufe zum Priesteramt. Denn ein verheirateter Mann, der sich zum Diakon weihen lässt, kann nach jetzigem Kirchenrecht kein Priester werden. Dadurch haben wir bereits einen eigenständigen Diakonat. Unter dieser Prämisse müsste ein Bischof eigentlich eine Frau zur Diakonin weihen können. Ich weiß auch, dass einzelne Bischöfe schon mit diesem Gedanken gespielt haben.

Frage: Was wird als nächstes in den Foren passieren?

Wuckelt: Vorbehaltlich der Zustimmung durch die Bischöfe werden die Foren in ihrer aktuellen Zusammensetzung als vorläufige Foren weiterarbeiten. Im Frauen-Forum werden wir uns im Oktober wieder treffen. Ziel ist es, das, was in der erweiterten Gemeinsamen Konferenz besprochen wurde, noch aufzunehmen. Wir wollen das bisherige Arbeitspapier etwas verständlicher machen, damit es auch von der Öffentlichkeit nachvollzogen werden kann. Dann gibt es noch Punkte, die in allen Foren weiterentwickelt werden müssen, zum Beispiel, ob bei den jeweiligen Themen eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre möglich ist. Da werden wir unser Arbeitspapier sicherlich noch präzisieren und ergänzen.

Frage: Von mehreren Seiten gab es den Vorwurf, beim "synodalen Weg" würde eine katholische Elite über Fragen diskutieren, die mit den einfachen Gläubigen nichts zu tun hätten. Wie wollen sie das entkräften?

Wuckelt: Es wird eine große Herausforderung sein, über das Veröffentlichen von Texten hinaus weitere Formen der Öffentlichkeitsarbeit zu finden. Wenn wir wirklich evangeliumsgemäß arbeiten wollen, dann muss es uns auch gelingen, die einfachen Gläubigen mit einzubinden. Bei uns im kfd-Bundesvorstand wollen wir versuchen, Konzepte dafür zu finden, verbandsintern Transparenz zu praktizieren: zum einen erzählen, was wir als Delegierte bei diesem "synodalen Weg" machen; zum anderen auch hinhören, was wir in die Versammlungen mitnehmen sollen, damit wir ein Sprachrohr für unsere Mitglieder sein können.

Ein Kandidat liegt während seiner Priesterweihe auf dem Boden.

Die Priesterweihe ist für Frauen bisher nicht möglich.

Frage: Wenn wir weit vorausblicken: Am Ende des "synodalen Wegs" wird ein Ergebnis stehen. Was wird mit diesem gemacht?

Wuckelt: Nachdem wir ja unterschiedliche Erwartungen und Vorschläge haben, hoffen wir natürlich, dass sich die Lage der Frau im Hinblick auf den Ausbau von Leitungspositionen in der Kirche verändert – sei es im kirchenrechtlich schon möglichen Rahmen oder auch darüber hinaus. Dann wünschen wir uns, dass die deutschen Bischöfe ein Votum nach Rom senden. Denn manche Dinge können sie nicht allein entscheiden.

Frage: Glauben Sie, dass das Votum im Vatikan Gehör findet?

Wuckelt: Wenn wir den Blick auf die kommende Amazonas-Synode lenken, dann wird deutlich, dass wir um die Frage nach dem Frauenpriestertum nicht umhinkommen. Darauf hat vor kurzem auch Bischof Erwin Kräutler hingewiesen, der die Synode mit vorbereitet. Dort ist die Seelsorge massiv unter Druck. Hier nutzen die Bischöfe bereits Möglichkeiten der Beteiligung von Frauen. Da sich also an unterschiedlichen Ecken unserer Welt in dieser Frage etwas tut, zieht das Totschlagargument Weltkirche nicht. Natürlich ist Deutschland ein kleiner Fleck auf der Erdkugel, aber wir sind eine der reichsten Kirchen der Welt. Dadurch erhalten wir schon eine gewisse Aufmerksamkeit. Von daher könnte das, was bei uns geschieht, eine Ermutigung für andere Bischofskonferenzen sein, genau diesen Weg zu gehen.

Von Matthias Altmann

Linktipp: Der "synodale Weg" der Kirche in Deutschland

Wie geht es nach dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland weiter? Bei der Frühjahrs-Vollversammlung 2019 in Lingen beschlossen die deutschen Bischöfe einen "synodalen Weg". Gemeinsam mit allen Gläubigen wollen sie Reformen anstoßen. Die Themen: Machtmissbrauch, Sexualmoral, Zölibat und die Rolle der Frau.