Kardinal Marx: Es gibt kein Stoppschild aus Rom
DBK-Vorsitzender zum Auftakt der Bischofsvollversammlung

Kardinal Marx: Es gibt kein Stoppschild aus Rom

Die DBK-Herbstvollversammlung wurde mit Spannung erwartet – gerade mit Blick auf den geplanten "synodalen Weg" in Deutschland. Zuletzt hatte Kardinal Reinhard Marx in Rom über den Reformprozess gesprochen. Wie steht der Vatikan zu dem Vorhaben? Der DBK-Vorsitzende äußerte sich zum Auftakt in Fulda.

Fulda - 23.09.2019

Kardinal Reinhard Marx sieht den "synodalen Weg" in Deutschland nicht gefährdet. "Es gibt kein Stoppschild aus Rom", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zum Auftakt der Herbstvollversammlung am Montag in Fulda. Bei seiner Begegnung mit Papst Franziskus und Kardinal Marc Ouellet, dem Präfekten der Bischofskongregation, habe es am vergangenen Freitag konstruktive Gespräche gegeben. Zuvor hatte der Vatikan in einem Brief Nachbesserungen beim geplanten Reformprozess gefordert. "Ich habe deutlich gemacht, dass ich gewisse Dinge anders sehe", so Marx. Außerdem seien Missverständnisse ausgeräumt worden.

Die deutschen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wollen aber die Bitte des Papstes beherzigen, beim "synodalen Weg" die Evangelisierung im Blick zu behalten, so Marx weiter. So werde intensiv an einer Präambel zu den Statuten des "synodalen Wegs" gearbeitet, die das Thema zentral aufgreife. "Wir wollen evangelisieren", betonte der DBK-Vorsitzende. Doch dazu müsse man auch die Hindernisse bei der Evangelisierung in den Blick nehmen. "Die Frage lautet: Wie können wir evangelisieren, wenn unsere Glaubwürdigkeit verloren gegangen ist?", so Marx. Um diese Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, müsse man daher auch die Frage nach einem neuen Priesterbild und nach einer kirchlichen Struktur stellen, in der "nicht die einen befehlen und die anderen gehorchen".

Gemeinschaft mit der ganzen Kirche

Marx machte aber auch klar, dass man keinen deutschen Sonderweg gehen werde. "Wir wollen in Gemeinschaft mit der Kirche bleiben", sagte der Kardinal. Dennoch gebe es Fragen, die einzelne Bistümer alleine regeln könnten. Sobald allerdings die weltkirchliche Ebene berührt sei, müsse ein Votum des "synodalen Wegs" an den Papst geschickt werden. "Wir könne keine Gesetzte machen, die das Kirchenrecht außer Kraft setzen", so der DBK-Vorsitzende. Man könne als deutsche Bischöfe lediglich Änderungen des Rechts anstoßen.

Außerdem äußerte sich Kardinal Marx zur anstehenden Amazonas-Synode, an der er als Mitglied des Päpstlichen Kardinalrats teilnehmen wird. Bei den Beratungen wird es auch um ökologische Fragen gehen. Papst Franziskus habe in seiner Enzyklika "Laudato si" von dem "einen Haus der Schöpfung" gesprochen. "Ich erhoffe mir, dass bei der Synode dieses globale Bewusstsein vorangetrieben wird", betonte Marx. Auch die deutsche Kirche überlege sich, etwas dazu beizutragen. Zusätzlich kündigte Marx an, dass sich die deutschen Bischöfe erneut mit der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs befassen werde. Dabei solle es auch um die Frage nach der Höhe einer materiellen Entschädigung der Opfer gehen.

Von Montag bis Donnerstag halten die deutschen Bischöfe ihre Herbstvollversammlung in Fulda ab. Im Mittelpunkt der Beratungen stehen die Vorbereitungen des von der Deutschen Bischofskonferenz beschlossenen "synodalen Wegs". Weitere Themen sind die politischen Entwicklungen in Deutschland nach den jüngsten Landtagswahlen und die Klimadebatte. (mal)

23.09.2019, 17:00 Uhr: ergänzt um weitere Details aus der Pressekonferenz

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Video: © katholisch.de

Kardinal Reinhard Marx spricht zum Auftakt der Herbstvollversammlung in Fulda 2019.