Nahaufnahme eines Jugendlichen, der die Hände unter dem Kinn zum Gebet gefaltet hat.
Neue Shell-Jugendstudie vorgestellt

Christliche Jugendliche in Deutschland glauben immer weniger an Gott

Laut der neuen Shell-Jugendstudie sinkt die Zahl der christlichen Jugendlichen in Deutschland, die an Gott glauben und mindestens einmal pro Woche beten, deutlich. Unter muslimischen Jugendlichen zeigt sich ein gänzlich anderes Bild.

Berlin - 15.10.2019

Christliche Jugendliche in Deutschland glauben immer weniger an Gott. Das ist ein Ergebnis der 18. Shell-Jugendstudie, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Laut den Zahlen der Studie hat die Bedeutung des Glaubens an Gott unter katholischen Jugendlichen von 2002 bis 2019 von 51 auf 39 Prozent abgenommen, bei evangelischen Jugendlichen sank der Wert im selben Zeitraum von 38 auf 24 Prozent. Im Gegensatz dazu wächst der Gottglaube vor allem unter jungen Muslimen in Deutschland weiter an: Im Jahr 2019 stuften 73 Prozent der befragten Muslime den Glauben an Gott als wichtig ein, nur 18 Prozent bezeichneten ihn als unwichtig. Auch für Jugendliche anderer Religionen gilt laut den Ergebnissen der Studie, dass sie "glaubensfester" sind als ihre evangelischen und katholischen Altersgenossen.

Die Forscher erklären sich die stärkere Religiosität bei Jugendlichen, die nicht evangelisch oder katholisch sind, unter anderem mit der religiösen Prägung durch das Elternhaus. So hätten bei der Befragung 64 Prozent der muslimischen Jugendlichen angegeben, aus einem ziemlich oder sehr religiösen Elternhaus zu stammen. Bei katholischen (38 Prozent) und evangelischen Jugendlichen (19 Prozent) war dieser Wert den Angaben zufolge deutlich geringer. Die Forscher vermuten, dass das religiös geprägte Familienumfeld insbesondere muslimischen Jugendlichen ein festes Glaubensfundament gibt und dazu führt, dass der Glaube an Gott in dieser Gruppe nicht an Bedeutung verliert.

Auch konkrete Religionsausübung sinkt bei christlichen Jugendlichen

Auch in der Frage der konkreten Religionsausübung zeigen sich zwischen christlichen und muslimischen Jugendlichen in der Bundesrepublik laut der Shell-Studie signifikante Unterschiede. Demnach sank die Zahl der katholischen Jugendlichen, die mindestens einmal pro Woche beten, zwischen 2006 und 2019 von 28 auf 18 Prozent, bei evangelischen Altersgenossen sank der Wert im selben Zeitraum von 21 auf 13 Prozent. Muslimische Jugendliche beten dagegen heute häufiger als noch vor 13 Jahren: 2006 gaben 53 Prozent der Befragten an, mindestens einmal pro Woche zu beten, in diesem Jahr waren es bereits 60 Prozent.

Das Image der Institution Kirche ist unter evangelischen und katholischen Jugendlichen dagegen weiter überraschend gut. Die Aussage "Ich finde es gut, dass es die Kirche gibt" bejahten in der aktuellen Umfrage 75 Prozent der Katholiken (2006: 79) und 79 Prozent der Protestanten (2006: 77). Gleichzeitig drängen die Jugendlichen jedoch auf Veränderungen in der Kirche. 73 Prozent (2006: 73) der befragten katholischen Jugendlichen stimmten der Aussage "Die Kirche muss sich ändern, wenn sie eine Zukunft haben will" zu, bei ihren evangelischen Altersgenossen lag dieser Wert bei 65 Prozent (2006: 72). Erstaunlich: Konfessionslose Jugendliche sehen nur zu 55 Prozent Änderungsbedarf bei den Kirchen.

Vertrauen in Institution Kirche sinkt bei Katholiken

Trotz der grundsätzlich hohen Wertschätzung für die beiden großen Kirchen zeigt sich in der Studie jedoch vor allem unter katholischen Jugendlichen ein deutlicher Vertrauensverlust in die Institution Kirche: Während im Jahr 2002 noch 38 Prozent aller jungen Katholiken Vertrauen in die Kirchen äußerten, sank dieser Wert bei der aktuellen Befragung auf nur noch 25 Prozent. Bei evangelischen Jugendlichen blieb das Vertrauen dagegen – mit leichten Schwankungen – stabil (2002: 31, 2019: 29).

Für die 18. Shell-Jugendstudie wurden den Angaben zufolge zwischen Anfang Januar und Mitte März bundesweit 2.572 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt. Verfasst wurde die Studie im Auftrag der Deutschen Shell von den Wissenschaftlern Mathias Albert, Klaus Hurrelmann und Gudrun Quenzel sowie einem Team des Münchner Forschungsinstituts Kantar. Die letzte Shell-Jugendstudie war Herbst 2015 veröffentlicht worden, die erste Studie erschien 1953. (stz)