Brasilien will "indigene Kathedrale" im Regenwald bauen
Für den Stamm der Yanomami

Brasilien will "indigene Kathedrale" im Regenwald bauen

Mehr Aufmerksamkeit für indigene Traditionen – das ist eines der Ziele der laufenden Amazonas-Synode im Vatikan. Bald soll zum Beispiel eine indigene Kirche gebaut werden – und das an einem ungewöhnlichen Ort.

Von Melanie Ploch |  Matarucá - 25.10.2019

Eine neue Kirche mitten im Amazonas-Regenwald: Das soll es künftig im Nordwesten Brasiliens geben. Denn wie die brasilianische Wochenzeitung "Gazeta pe Povo" berichtet, will die brasilianische Bischofskonferenz eine Kirche für Indigene bauen. Die Idee kam bei einem Treffen von Ureinwohnern mit dem Apostolischen Nuntius in Brasilien, Giovanni D’Aniello, und dem Bischof des Bistums São Gabriel da Cachoeira, Edson Taschetto Damian. Die Stämme hatten den Wunsch nach einem Gotteshaus in ihrer Nähe geäußert. Papst Franziskus begrüßte das Vorhaben.

Standort der "Mutterkirche Unserer Lieben Frau von Lourdes", wie das Gotteshaus heißen soll, wird der höchste Berg Brasiliens sein, der Pico da Neblina in der Region Matarucá. Die Indigenen glauben, dass oben auf dem 2994 Meter hohen Berg ihre Vorfahren ruhen. In der Region im Nordwesten Brasiliens lebt der Stamm der Yanomami, das größte indigene Volk im Amazonasgebiet. Eine Mission der Salesianer Don Boscos betreut vor Ort 2.000 Menschen, die in den umliegenden Stämmen der Region leben.

Respekt vor der indigenen Kultur

Zwar nennen die Yanomami jene Kirche "Kathedrale", ein neues Bistum soll es aber nicht geben. Äußerlich soll sie an die indigene Tradition anknüpfen: Wie die Architekten mitteilen, ließen sie sich von den sogenannten Shabonos inspirieren: In den aus Holz und Palmen gebauten Gemeinschaftshäusern leben Indigene in Gemeinschaften mehrerer Familien. Dadurch, dass die runden oder vieleckigen Shabonos in der Mitte nicht überdacht sind, haben die Familien einen gemeinsamen Innenhof. Dort verbringen sie ihren Alltag, halten Feste und religiöse Rituale ab. Den Architekten sei es wichtig gewesen, die Tradition der Yanomami zu wahren und sie mit dem Christentum zu verbinden.

Ein Innen-Modell der "indigenen Kathedrale" im Amazonas-Regendwald in Brasilien: Nur lokale Materialien wie Holz, Stein und Palmen sollen zum Einsatz kommen.

Dementsprechend soll die neue Kirche achteckig sein und mehrere Sphären bieren: Die erste Ebene befindet sich außerhalb des Gotteshauses. Neben einem Friedhof bietet das Umfeld Platz, damit sich die Ureinwohner aller Dörfer der Region Matarucá treffen können, um die Gemeinschaft zu fördern. In der zweiten Ebene sollen die Menschen die Kirche durch Eingänge und Pfade betreten können. Ein Kreuzweg erinnert an das Leiden Christi. Schließlich erreicht man in der dritten Ebene den sakralen Raum. Im kreisförmigen Raum steht der Altar in der Mitte.

Eine Öffnung im Dach soll es auch in der "indigenen Kathedrale" geben, um die Kultur der Stämme zu respektieren. Denn die Yanomami glauben, dass durch die Öffnung Geister hereinkommen, um mit ihnen zu kommunizieren. 25 Meter soll das Gotteshaus auf einem fast 3.000 Meter hohen Berg in die Höhe ragen. Für den Bau sollen nur lokale Materialien wie Holz, Palmen und Stein verwendet werden. Die sakralen Gegenstände sollen von Indigenen in ihrem traditionellen Handwerk hergestellt werden. Auch ihre Bautechniken sollen berücksichtigt werden.

Im Amazonas-Regenwald gibt es darüber hinaus auch andere Gemeinden und Stämme, die ihre eigenen, auf sie abgestimmten Gotteshäuser haben. Die Kosten der neuen "indigenen Kathedrale", deren Bau in der zweiten Jahreshälfte 2020 beginnen soll, betragen umgerechnet etwa 180.000 Euro, die unter anderem der Vatikan übernehmen soll.

Von Melanie Ploch