Gemeinsame Erklärung: Priester fordern Änderungen am "System" Kirche
"Synodaler Weg" müsse konkrete Beschlüsse hervorbringen

Gemeinsame Erklärung: Priester fordern Änderungen am "System" Kirche

Sie alle haben jüngst Bücher zur aktuellen Lage der Kirche in Deutschland verfasst. Jetzt geben die Priester eine gemeinsame Erklärung zum "synodalen Weg" ab – und fordern konkrete Änderungen am "System" Kirche.

Würzburg - 26.11.2019

Eine kritische Begleitung der Reformdebatte in der katholischen Kirche fordern vier Priester, die alle in letzter Zeit Bücher zur Lage der Kirche verfasst haben. Sie erwarteten "vom 'synodalen Weg' konkrete Beschlüsse, die den Klerikalismus, eine der Wurzeln des Missbrauchs in der Kirche, wirksam bekämpfen", heißt es in der am Dienstag in Würzburg veröffentlichten Erklärung von Burkhard Hose (Bistum Würzburg), Stefan Jürgens (Bistum Münster), Pallotiner-Pater Siegfried Modenbach und Bernd Mönkebüscher (beide Erzbistum Paderborn). Zugleich distanzierten sie sich "von einem System, das die sexualisierte Gewalt ermöglicht, gedeckt und verschleiert" habe.

Auch "Leidensgeschichten von Kollegen" machten betroffen

Nicht nur das Leid der Opfer von Missbrauch mache sie betroffen, so die Geistlichen weiter, sondern auch die "Leidensgeschichten von Kollegen, die innerhalb des kirchlichen Systems krank geworden sind oder vereinsamen". Daher träten sie ein "für Strukturen, in denen Macht kontrolliert wird und Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht und ihrer sexuellen Orientierung geachtet werden sowie einen gleichberechtigten Zugang zu allen Ämtern und Aufgaben der Kirche erhalten". Viele Menschen verbänden mit dem am ersten Advent beginnenden "synodalen Weg" die Hoffnung auf Erneuerung der Kirche.

Der katholische Hochschulseelsorger Hose schrieb zuletzt das Buch "Warum wir aufhören sollten, die Kirche zu retten", Jürgens das Werk "Ausgeheuchelt". Beide machen darin Vorschläge für Veränderungen in der Kirche. Modenbach befasste sich in "Liebe hat viele Gesichter" mit Themen wie Homosexualität, Missbrauch und der "Ehe für alle". In "Unverschämt katholisch sein" legte Mönkebüscher, der sich selbst als homosexuell outete, dar, wie Kirche eine Gemeinschaft derer sein könnte, "die nicht argwöhnisch alles beäugen, was nach Lust riecht".

Nach intensivem Ringen hatten die deutschen Bischöfe im Frühjahr 2019 einen verbindlichen "synodalen Weg" beschlossen, dem jetzt auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) zugestimmt hat. Dabei soll es vor allem um die Themen Macht, Sexualmoral, Lebensform der Priester und die Rolle von Frauen in der Kirche gehen. Unter Mitarbeit von katholischen Laien und externen Fachleuten wollen die Bischöfe ihre Positionen zu diesen Fragen klären. Der Missbrauchsskandal hatte die Kirche in eine Vertrauenskrise gestürzt, in der Rufe nach Reformen immer lauter wurden. Der zunächst auf zwei Jahre angelegte "synodale Weg" beginnt offiziell am ersten Adventssonntag. Die weitere inhaltliche Ausgestaltung der Reformdebatte soll die erste Synodalversammlung vom 30. Januar bis 1. Februar in Frankfurt vornehmen. Von konservativer Seite wird immer wieder kritisiert, dass die katholische Kirche in Deutschland einen Sonderweg gehen wolle, der zur Abspaltung von der Weltkirche führe. Andere sehen die Unverbindlichkeit der Beratungs- und Beschlussergebnisse als Problem. (tmg/KNA)