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Standpunkt

Der "synodale Weg" im Nebel

Dem "synodalen Weg" mangelt es an einer echten Zielvorgabe und an Verbindlichkeit, kritisiert Pia Dyckmans. Damit das Gesprächsforum trotzdem zu einem guten Ergebnis führt, hat sie eine konkrete Forderung.

Von Pia Dyckmans |  Bonn - 28.11.2019

Es gibt glaube ich keine andere Phrase in der katholischen Kirche, die in den letzten Jahren häufiger gebraucht wurde als "auf dem Weg sein". Am Sonntag geht also endlich diese Wanderung, dieser "synodale Weg", los. Doch ich frag mich, wo soll die denn eigentlich hingehen?

Das Problem, wenn man ohne Ziel losgeht: Gehen alle in dieselbe Richtung? Haben alle dasselbe Ziel? Gibt es am Ende konkrete Ergebnisse? Die Fallhöhe des "synodalen Wegs" scheint mir enorm hoch zu sein, wenn man die Berichterstattung im Vorhinein liest. Meines Erachtens hat dieser nebulöse Weg zwei Probleme: Wer entscheidet hier überhaupt und was passiert mit den "Ergebnissen"? Entweder schliddert die Deutsche Kirche in einen "Sonderweg", der uns von der Weltkirche abspalten könnte. Sagen zumindest Kritiker. Aber das wird Rom schon zu verhindern wissen. Oder es wird am Ende des Tages irgendetwas beschlossen – nur eben ohne Konsequenz. Denn seien wir mal ehrlich, verbindlich ist die Umsetzung der Beschlüsse nicht. Wie schreibt die Bischofskonferenz so schön: "Die Verbindlichkeit in der Umsetzung kommt je nach Materie dem Apostolischen Stuhl und/oder dem Ortsbischof zu". Und wenn ein Bischof etwas nicht umsetzen will, kann ihn keiner zwingen.

Und was ist mit der Entscheidungsgewalt bei den Beschlüssen des "synodalen Wegs"? Eigentlich diskutieren die Synodalen auf Augenhöhe, am Ende entscheiden dann aber doch die Bischöfe mit einer Zweidrittel Mehrheit. Ja es nervt, dass die Teilnehmer des "synodalen Wegs" am Ende nicht gleichberechtigt sind. Aber wenn ich mir die Liste der Teilnehmer anschaue, dann habe ich die Hoffnung, dass dort diskutiert wird um der Sache willen und vielleicht ein klein wenig auch dafür, die Kirche zu retten. Sogar die Gläubigen sollen mitdiskutieren über die Homepage des "synodalen Wegs", wie Kardinal Reinhard Marx und Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, in ihrem Brief an die Gläubigen schreiben. Inwiefern diese Beiträge eingehen, wer weiß?

Vieles spricht für die Kritiker, die den Sinn des "synodalen Wegs" anzweifeln. Aber was ist die Alternative? Einfach weiter so machen wie bisher? Meckern über die Strukturen, die lieben Bischöfe und die ganzen Schandtaten, die so manche Kirchenvertreter veranstaltet haben? Da laufe ich doch lieber mit in den Nebel. Aber wie wäre es, wenn die Kirche mal mutig wäre? Sowohl die Bischöfe als auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken verpflichten sich, den Weg nicht nur als Beratung zu sehen, sondern die Beschlüsse, die nicht vom Vatikan abgenickt werden müssen, auch wirklich umzusetzen! Dann hätte der Nebel auf jeden Fall die Chance, sich am Ende zu lichten.

Von Pia Dyckmans

Die Autorin

Pia Dyckmans ist Presse- und Öffentlichkeitsreferentin der Jesuiten in Deutschland und Schweden.

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