Overbeck: Kann mir vorstellen, dass Frauen Priesterinnen werden
Ruhrbischof offen für weitreichende Reformen

Overbeck: Kann mir vorstellen, dass Frauen Priesterinnen werden

Es träfe zwar noch auf breiten Widerstand in der Kirche, doch "persönlich kann ich es mir mittlerweile vorstellen, dass Frauen Priesterinnen werden", erlärt Bischof Franz-Josef Overbeck – und sagt, was der erste Schritt auf diesem Weg wäre.

Essen - 02.12.2019

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat sich offen für Reformen in der Kirche gezeigt, auch was weitere Mitwirkungsmöglichkeiten von Frauen betrifft. "Persönlich kann ich es mir mittlerweile vorstellen, dass Frauen Priesterinnen werden", sagte Overbeck der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Samstag). Das träfe indes noch auf breiten Widerstand in der Kirche. Ein erster Schritt auf diesem Weg wäre seinen Worten zufolge, wenn auch verheiratete Männer Priester werden könnten. "Das würde manchen den Weg zum Priesteramt ermöglichen", wird der Bischof in dem Blatt zitiert.

Bereits Ende Oktober hatte sich Overbeck im Anschluss an die Amazonas-Synode in einem Interview zur Frage nach einer Weihe für Frauen geäußert. "Kann man zum Beispiel an einem Y-Chromosom den Zugang zum Priesteramt festmachen, indem man das mit dem Willen Jesu begründet?", so der Bischof damals. "Die allermeisten Menschen verstehen das nicht mehr und glauben es auch nicht. Ich bin ebenfalls mehr als nachdenklich."

Alle Personalakten des Bistums erneut durchleuchten

Weiter kündigte Overbeck im aktuellen Interview als Konsequenz aus Missbrauchsfällen an, sämtliche Personalakten des Bistums Essen erneut durchleuchten zu lassen. Damit sei in diesen Tagen ein wissenschaftliches Institut in München beauftragt worden. In der Vergangenheit habe die katholische Kirche die Schwere des Verbrechens Kindesmissbrauch nicht genügend anerkannt. "Ja, es ist bagatellisiert worden. Die Opfer standen wenig bis gar nicht im Zentrum", so der Ruhrbischof. Weiter sagte er, heute würde ein Priester, der wegen sexuellen Missbrauchs auffällig geworden sei, überhaupt nicht mehr eingesetzt. Mit Blick auf den jüngsten Fall in Wattenscheid fügte Overbeck hinzu: "Ich bin aber sicher, dass dies nicht der letzte Fall war." Denn manche Opfer offenbarten sich erst nach Jahrzehnten.

Der Priester, auf den Overbeck Bezug nahm, stammt aus dem Erzbistum Köln und wurde 1972 wegen "fortgesetzter Unzucht mit Kindern und Abhängigen" zu einer Haftstrafe verurteilt. Seit 1973 wurde er in verschiedenen Orten des Bistums Münster eingesetzt, bis er 1988 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde – wegen sexueller Handlungen an Minderjährigen. Daraufhin war er als Altenheimseelsorger in Köln tätig und von 2002 bis 2015 Ruhestandsgeistlicher in Bochum-Wattenscheid. Overbeck hatte die betroffene Gemeinde besucht und verheerende Fehler seitens des Bistums Essen eingestanden. Zu dem Fall äußerten sich auch Münster Bischof Felix Genn und der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. (tmg/KNA)