"Eindruck, Ratzinger hat ein Trauma mir gegenüber"

Hünermann: Ich hege keinen Groll gegen Benedikt XVI.

Aktualisiert am 16.12.2019  –  Lesedauer: 
Peter Hünermann und Bernd Jochen Hilberath überreichen Papst Benedikt ihr Buch
Bild: © KNA

Caracas ‐ Im vergangenen Jahr hatte Benedikt XVI. dem bekannten Theologen Peter Hünermann vorgeworfen, durch "antipäpstliche Initiativen" aufgefallen zu sein. Nun hat sich Hünermann zu den Einlassungen des Papa emeritus geäußert.

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Der Theologe Peter Hünermann hegt "keinen Groll gegen Benedikt XVI.", nachdem der emeritierte Papst ihm im vergangenen Jahr vorgeworfen hatte, durch "antipäpstliche Initiativen" aufgefallen zu sein. "Ich habe den Eindruck, Ratzinger hat ein Trauma mir gegenüber", sagte Hünermann der spanischen Nachrichtenseite "Religión Digital" am Sonntag. Diese Fixierung rühre daher, dass Benedikt glaube, Hünermann habe mit der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie "eine Bewegung gegen die Autorität des Lehramtes" schaffen wollen. Diese Vorstellung sei immer noch "sehr tief" im Bewusstsein des emeritierten Papstes verankert.

Im März 2018 hatte Benedikt in einem Schreiben seine "Überraschung" über die Beteiligung Hünermanns an einer Buchreihe zur Theologie von Papst Franziskus geäußert. Der emeritierte Papst kritisierte den maßgeblichen Anteil des Theologen an der "Kölner Erklärung" aus dem Jahr 1989, die die Lehrautorität des Papstes besonders in moraltheologischen Zusammenhängen hinterfragt hatte. Außerdem habe Hünermann die "Europäische Theologengesellschaft" zunächst als papstkritische Organisation gegründet, die erst durch das kirchliche Empfinden weiterer beteiligter Theologen ihren Charakter geändert habe, warf Benedikt ihm vor.

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"Ich habe ihm darauf nicht geantwortet", sagte Hünermann weiter. "Die Situation ist sehr merkwürdig für mich." Der 90-Jährige sprach mit "Religión Digital" am Rande eines Kongresses zur Theologie von Papst Franziskus in der venezolanischen Hauptstadt Caracas. Während des derzeitigen Pontifikats wende sich die Kirche "den realen Problemen der heutigen Welt" zu, lobte Hünermann. Die Forderungen von Franziskus seien "wegweisend".

Hünermann wurde 1929 geboren und gilt als einer der bedeutendsten lebenden Theologen. Von 1971 bis 1982 lehrte er Dogmatik an der Universität Münster, danach bis zu seiner Emeritierung 1997 an der Universität Tübingen. Von 1989 bis 1995 war er Gründungspräsident der Europäischen Gesellschaft für Theologie, die sich als offenes Forum für den theologischen Dialog in Europa versteht. Seit 1991 gibt Hünermann das "Enchiridion Symbolorum" heraus, eine handbuchartige Sammlung der kirchlichen Lehraussagen. Sie wird nach ihrem Gründungs- und dem aktuellen Herausgeber kurz "Denzinger-Hünermann" genannt. (rom)