Schachfigur
Standpunkt

Wenn der Zölibat wählbar wird, verkommt er zum Life-Style

Schon vor der Amazonas-Synode hatte er den Eindruck, als wären Isar und Rhein Nebenflüsse des Amazonas, kommentiert Martin Rothweiler. Er fordert, in der aktuellen Debatte um den Zölibat darauf zu achten, worum es eigentlich geht.

Von Martin Rothweiler |  Bonn - 17.01.2020

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Noch bevor das neue Buch von Kardinal Sarah "Aus der Tiefe des Herzens" mit einem Kapitel von Papst emeritus Benedikt XVI. erschienen ist, wird schon geurteilt, dass dieses Buch sich gegen Papst Franziskus richte, weil es den Zölibat verteidige. Der Direktor der Pressestelle des Heiligen Stuhls, Matteo Bruni, hat zwischenzeitlich auf Anfrage von Journalisten noch einmal klargestellt, dass Papst Franziskus den optionalen Zölibat für den Priester ablehnt.

Warum also die Aufregung? Während der Amazonas-Synode hat eine Mehrheit der Bischöfe sich für die Option von Viri probati, also die Zulassung von verheirateten, bewährten Männern zum Weiheamt entschieden. Nun steht die Veröffentlichung des postsynodale Schreibens des Papstes bevor. Bei der Amazonas-Synode wurde mit der extremen Ausnahmesituation im Amazonasgebiet argumentiert, um in entlegensten Gebieten die Feier der Eucharistie zu ermöglichen. Wenn es allein darum ginge, wäre die Aufregung hierzulande um die neue Publikation wohl nicht so groß.

Aber schon vor der Amzonas-Synode konnte man in Deutschland bei der innerkirchlichen Diskussion im Vorfeld des Synodalen Wegs den Eindruck gewinnen, als wären etwa Isar und Rhein Nebenflüsse des Amazonas und der Harz mit der Amazonasregion vergleichbar. Fällt der sogenannte "Pflichtzölibat" in den Regenwäldern des Amazonas, wird das hierzulande auch als ein Signal für Deutschland interpretiert. So viel steht wohl fest. Da stört alles, was dem entgegenwirken könne. Sprungbereit wird reagiert.

Dabei wäre doch aufmerksames Hinhören – wie immer wieder eingefordert – angesagt. Auf wen und auf was? Auf das, was eine Mehrheit fordert? Auf das, was die Heilige Schrift nahelegt und die Tradition der Kirche vertieft hat?  Wie ist es mit dem aufmerksamen Lesen, mit dem aufmerksamen Hinhören auf das, was der Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, Kardinal Marc Ouellet, in seinem Buch "Für ein erneuertes Verständnis des Priestertums" schreibt oder wenn sich jetzt "Aus der Tiefe des Herzens" Benedikt XVI. und Kardinal Sarah zu Wort melden?

Es geht nicht um Nebensächliches, sondern um zentrale Fragen, die das Verständnis des sakramentalen Priestertums betreffen und von daher den Zölibat als die eigentliche Lebensform des Priesters begründen. Deshalb ist aufmerksames Hinhören so wichtig.

Wenn zölibatäre und nicht-zölibatäre Lebensform als wählbare Optionen für den Priester nebeneinanderstehen, wird die Ehelosigkeit nicht mehr als starkes Zeugnis für den Himmel wahrgenommen, sondern zunehmend als Wahl eines persönlichen Life-Styles.

Von Martin Rothweiler

Der Autor

Martin Rothweiler ist der Programmverantwortliche des katholischen Fernsehsenders EWTN Deutschland.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.