Ein Kreuz vor schwarzem Himmel
Auch Opfer-Anwalt bereitet Klage vor

Kardinal leitet Missbrauchsermittlungen gegen US-Bischof ein

Nicholas DiMarzio, der Bischof von Brooklyn, soll in den 70er-Jahren einen Messdiener mehrfach missbraucht haben. Pikant: Bis vor kurzem war DiMarzio selbst als innerkirchlicher Missbrauchsermittler tätig.

Washington - 19.01.2020

New Yorks Kardinal Timothy Dolan hat Missbrauchsermittlungen gegen Brooklyns Bischof Nicholas DiMarzio (75) in die Wege geleitet. Das gab die Erzdiözese New York am Wochenende bekannt. DiMarzio wird laut US-Medienberichten vorgeworfen, als Priester in den 70er Jahren einen Messdiener mehrfach missbraucht zu haben. Den Angaben zufolge bereitet der Anwalt des mutmaßlichen Opfers eine 20-Millionen-Dollar-Klage vor. DiMarzio weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Ermittlungen auf Grundlage von päpstlichem Schreiben

Wie das Erzbistum New York bekanntgab, wird die von Kardinal Dolan geleitete Untersuchung auf Grundlage des päpstlichen Schreibens "Vos estis lux mundi" vorgenommen. Papst Franziskus hatte im Mai mit dem Erlass die Kirchenrechtsnormen gegen sexuellen Missbrauch durch Geistliche verschärft. Die römische Glaubenskongregation habe Dolan nun angewiesen, eine entsprechende Untersuchung gegen DiMarzio einzuleiten, hieß es. Zuvor hatte Dolan den Heiligen Stuhl über die seit Monaten kursierenden Vorwürfe gegen den Bischof von Brooklyn informiert.

Der Bischof von Brooklyn, Nicholas DiMarzio, steht unter dem Verdacht sexuellen Missbrauch begangen zu haben.

DiMarzio ist der zweite Bischof in den Vereinigten Staaten, gegen den die neuen Vorschriften angewandt werden. Als erster war im September Michael Hoeppner (70), Bischof von Crookston, betroffen. Diesem wird Missbrauchsvertuschung vorgeworfen.

Der Fall DiMarzio ist nicht zuletzt deshalb pikant, weil der Geistliche kürzlich selbst als Missbrauchsermittler tätig war. Er war im vergangenen Jahr beauftragt worden, eine Untersuchung im Bistum Buffalo vorzunehmen, wo Bischof Richard Malone (73) schließlich im Dezember zurücktrat. Malone stand wegen eines nachlässigen Vorgehens in Sachen Missbrauchsaufklärung in der Kritik. (KNA)