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Reformprozess: Ein gemeinsamer Weg trotz tiefer Gräben?

Mit Christi Geist sei der gemeinsame Weg möglich: Vor Beginn des Synodalen Weges beschwören einige Bischöfe Einmütigkeit, während andere nicht müde werden, Kritik zu äußern. Ulrich Waschki fragt sich, wie glaubwürdig das noch sein kann.

Von Ulrich Waschki |  Bonn - 24.01.2020

Es klingt fast so, als müssten sich die Beteiligten des Synodalen Wegs selbst davon überzeugen, wenn sie immer wieder darauf hinweisen, dass der Reformprozess kein Parlament sei, sondern ein geistlicher Weg werden müsse. Bei einem Parlament sitzen sich Parteien gegenüber, legen lautstark ihre Standpunkte dar und feilschen um Kompromisse. Genau darum soll es beim Synodalen Weg, der in einer Woche mit der ersten Synodalversammlung seine Arbeit aufnimmt, nicht gehen.

Wenn man sich in dem Glauben versammle, dass "Christus mit seinem Geist in unserer Mitte ist", so sagte diese Woche Kardinal Reinhard Marx in einem Interview mit den deutschen Bistumszeitungen, "entsteht eine andere Atmosphäre". Eine Atmosphäre, in der man sich in den anderen hineinversetzt; in der man versucht, nicht die Schwäche, sondern die Stärke des Gegenarguments zu suchen, um einen gemeinsamen Weg zu finden.

Diese Haltung ist richtig. Nur so kann es in der Kirche gehen. Der Glaube muss auch in hitzigen Diskussionen die Richtung vorgeben. Wer gemeinsam betet, die Schrift liest und Gottesdienst feiert, kann sich in der anschließenden Debatte eigentlich nicht mehr den rechten Glauben absprechen.

Mit Blick auf die kirchliche Realität dieser Tage kommt allerdings Skepsis auf, ob das gelingen wird. Da warnte am Dreikönigstag Kardinal Rainer Maria Woelki in Köln scharf vor einer Anpassung des Glaubens an den Zeitgeist, während in Magdeburg Bischof Gerhard Feige darüber sprach, dass auch im heutigen Zeitgeist Gottes Geist präsent sein kann.

So laufen die Gräben heute nicht zwischen Bischöfen und Laien. Im Gegenteil: Zwischen der Laienvertretung ZdK und den meisten Bischöfen scheinen Atmosphäre und Vertrauen so gut zu sein wie nie. Die Gräben verlaufen zwischen der deutlichen Mehrheit derjenigen, die Veränderungen wollen, und einer (auch bischöflichen) Minderheit, die meint, Lehre, Struktur und Organisation der Kirche müssten sich nicht verändern. Es sind vor allem die Kritiker des Reformwegs, die Schärfe in die Debatte bringen. Da fällt es schwer zu glauben, dass beim Synodalen Weg eine Atmosphäre entsteht, die zu neuen Einsichten führt. Und dennoch: Einen Versuch ist es wert. Der Weg ist riskant, aber eine bessere Alternative gibt es derzeit nicht.

Von Ulrich Waschki

Der Autor

Ulrich Waschki ist Geschäftsführer und Chefredakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse.

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