Bertram Meier: Frauenweihe unrealistisch – keine XXL-Pfarreien
Ernannter Bischof von Augsburg nimmt kirchenpolitisch Stellung

Bertram Meier: Frauenweihe unrealistisch – keine XXL-Pfarreien

Priesterinnen in der katholischen Kirche? Pfarreifusionen zu riesigen Seelsorgegebilden? Der künftige Bischof von Augsburg hat zu diesen Themen eine eindeutige Meinung. Auch zum Synodalen Weg: Dieser sei für ihn "kein Anlass zu warnen vor Protestantisierung oder Wiederauferstehung Martin Luthers".

Augsburg - 07.02.2020

Der ernannte Bischof von Augsburg, Bertram Meier (59), hält Priesterinnen in der katholischen Kirche für unrealistisch. "Bei dem Weiheamt für Frauen stoßen wir an Grenzen", sagte Meier am Donnerstag dem Bayerischen Rundfunk (BR). "Da hat Papst Johannes Paul II. Mitte der 90er Jahre ganz klar gesagt, das ist endgültig festgelegt, dass Frauen nicht die Priesterweihe empfangen. Da können wir nicht einen deutschen Sonderweg machen."

Auch zur Reformdebatte der katholischen Kirche in Deutschland, dem Synodalen Weg, äußerte sich Meier: Dieser sei für ihn "kein Anlass zu warnen vor Protestantisierung oder Wiederauferstehung Martin Luthers". Später müsse man sehen, was man in Deutschland entscheiden könne und was nach Rom zu schicken sei.

In einem ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der "Katholischen SonntagsZeitung" seines Bistums ergänzte Meier, er lehne sogenannte XXL-Pfarreien ab. Diese "sehe ich für unsere Diözese als nicht zukunftsfähig an", sagte er. "Die Gemeinschaft, das Kirche-Sein, das Beziehungsnetz zu Gott und zu den anderen würden wir sonst aushebeln. In manchen Diözesen mögen XXL-Pfarreien der einzig denkbare Weg sein. In Augsburg wollen wir das nicht." Die diözesane "Raumplanung 2025", die der frühere Bischof Konrad Zdarsa angestoßen habe, müsse man möglichst geistlich vertiefen. "Der Slogan 'Die Kirche muss im Dorf bleiben' hat nicht nur damit zu tun, wie oft in der Dorfkirche die Eucharistie gefeiert wird. Es geht auch darum, wie das kirchliche Leben insgesamt gestaltet wird." Er setze auf eine "Beziehungsnetz-Kirche". Die dünner werdende Personaldecke sei in dieser Sache freilich eine Herausforderung.

"Neu-Evangelisierung" falscher Begriff

Zum Thema Glaubensverbreitung sagte Meier: "Ich nenne es nicht gern 'Neu', sondern so, wie es der Papst tut. Er spricht nie von 'Neuevangelisierung', sondern von 'neue Evangelisierung' oder nur 'Evangelisierung'. Es handelt sich nicht um ein kleines Segment für einige ganz besonders Berufene, sondern um eine Querschnittsaufgabe." Es gebe viele Arten, das Evangelium unter die Leute zu bringen. "Hier werde ich, unbeschadet unserer Fachabteilung, dem Institut für Neuevangelisierung, möglichst viele Koalitionspartner zuführen." Er denke etwa an den Caritasverband. "Viele kommen über die Caritas, über die gelebte Nächstenliebe, zu Jesus Christus", betonte Meier.

Meier war am 29. Januar von Papst Franziskus zum neuen Bischof von Augsburg ernannt worden. Unmittelbar nach Bekanntgabe seiner Ernennung sagte er zu seinem Amtsverständnis: "Ein Bischof bleibt immer Mensch. Und es kratzt überhaupt nicht an seiner Autorität, wenn er dieses Menschsein zulässt." Am vergangenen Freitag kündigte er zudem an, nicht im Augsburger Bischofshaus wohnen zu wollen, und bot sich als Mittler zwischen der katholischen Kirche in Deutschland und dem Vatikan an. Seine langjährige römische Erfahrung könne "interessant sein, gerade in Zeiten, wo vielleicht die Alpen nicht nur ein paar so und so viel tausend Meter hohe Berge sind, sondern auch psychologisch in der Kirchengeographie gewisse Barrieren bringen", sagte Meier.

Der Domdekan Bertram Meier ist derzeit Diözesanadministrator, also Übergangsleiter, des Bistums Augsburg. Dieses Amt hat er seit Juli 2019 inne. Damals trat der bisherige Augsburger Bischof Zdarsa in den Ruhestand. Am 29. Januar ernannte Papst Franziskus Meier offiziell zu Zdarsas Nachfolger. Am 13. März wird Meier in München seinen Eid auf die bayerische Verfassung ablegen. Für den 21. März ist im Augsburger Dom seine Weihe zum Bischof angesetzt. (tmg/KNA)