Franziskus begleite Suche nach einer Lösung für den Konflikt im Gebet

Präsident Selenskyj bittet Papst um Vermittlung im Ukraine-Konflikt

Aktualisiert am 08.02.2020  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Die kriegerischen Auseinandersetzungen dauern seit sechs Jahren an. Im Dezember startete ein neuer Dialogversuch vonseiten der Politik, bei seinem Besuch beim Papst hat der ukrainische Präsident auch die vatikanische Diplomatie um Mithilfe gebeten.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist am Samstag von Papst Franziskus in Audienz empfangen worden. Anschließend traf er auch mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und dem Außenbeauftragten Erzbischof Paul Richard Gallagher zu einer Unterredung zusammen. Dabei standen nach Vatikanangaben die humanitäre Lage in der Ukraine und die Suche nach einer Friedenslösung für den seit 2014 andauernden Konflikt im Mittelpunkt. Einigkeit bestehe in dem Wunsch, alle Parteien sollten maximale Rücksicht auf die Zivilbevölkerung zeigen und konsequent Dialog führen, hieß es.

Es war die erste Visite des seit Mai 2019 amtierenden Präsidenten im Vatikan. Selenskyi kam in Begleitung seiner Ehefrau Olena zu der Audienz. Das Gespräch mit Franziskus in der Päpstlichen Privatbibliothek führte er mit Hilfe eines Dolmetschers. Der Papst schenkte Selenskyj ein Medaillon des heiligen Martin von Tours und erläuterte dazu, Martin habe "mit der Kraft der Liebe" Bedürftigen geholfen. "Das erhoffe ich auch für euer Volk, das im Krieg ist", sagte der Papst laut anwesenden Journalisten.

Papst begrüßt neuen Dialog zwischen Russland und Ukraine

Selenskyj schrieb anschließend auf Twitter, er habe den Papst um Hilfe bei der Befreiung ukrainischer Gefangener im Donbass, auf der Krim und in Russland gebeten. Er bezeichnete sich als "inspiriert" von dem Gespräch mit Franziskus über den Frieden in der Ukraine.

Der Papst hatte im Dezember ausdrücklich die Dialoginitiative im sogenannten Normandie-Format begrüßt, mit der die Ukraine, Russland, Frankreich und die Bundesrepublik über eine Beendigung des Ostukraine-Konflikts verhandelten. Er begleite die "Suche nach Lösungen des nun seit Jahren andauernden Konflikts" mit seinem Gebet, sagte Franziskus damals bei einem Mittagsgebet in Rom.

Selenskyjs Amtsvorgänger Petro Poroschenko war im November 2015 beim Papst. Damals lud er das Katholikenoberhaupt zu einem Besuch in sein mehrheitlich orthodoxes Land ein. Als bislang einziger Papst reiste Johannes Paul II. (1978-2005) im Jahr 2001 in die Ukraine. (KNA)