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Papst Franziskus will gar keine synodale Kirche

Nach Familien-, Jugend- und Amazonas-Synode hat Franziskus jetzt auch noch eine Synode zum Thema "Synoden" angekündigt. Das wirkt unfreiwillig komisch, kommentiert Gabriele Höfling. Sie fragt sich, was die Treffen im Vatikan eigentlich bringen.

Von Gabriele Höfling |  Bonn - 10.03.2020

Vor wenigen Tagen hat Papst Franziskus das Thema für die nächste Synode bekannt gegeben. Dabei soll es um Verfahren für eine "synodale Kirche" gehen. Das wirkt auf mich schon fast unfreiwillig komisch. 2014 und 2015 zwei Familiensynoden, 2018 die Jugendsynode, 2019 Amazonas-Synode und in zwei Jahren nun die Synoden-Synode: Seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus sind die Bischofstreffen geradezu inflationär. Die aktuelle Synodenpraxis birgt aber gleich mehrere Probleme.

Erstens ist das Prozedere ineffizient. Die Synoden sind zu lang. Was soll der zweite Beratungstag der dritten Woche an neuen Erkenntnissen bringen? Ich kann mich jedenfalls an kein ähnlich langes Treffen Europäischer Regierungschefs erinnern. Der G7-Gipfel 2019 in Frankreich dauerte drei Tage. Wochenlange Versammlungen dagegen bergen die Gefahr, sich zu verzetteln. Wenn junge Bischöfe hierzulande den Ablauf von Treffen der Bischofskonferenz als altbacken kritisieren, kann ich mir gut vorstellen, dass es auch im Vatikan noch Hebel gibt, an denen ein moderneres Tagungsmanagement ansetzen könnte.

Das zweite und schwerwiegendere Problem ist ein inhaltliches. Zwar betont Franziskus immer wieder, wie wichtig ihm eine synodale Kirche ist, in der es auch dezentrale Entscheidungen gibt. Doch spätestens seit seinem wenig hilfreichen Schreiben zur Amazonas-Synode nehme ich ihm das nicht mehr ab. Es scheint eher, als würden die langwierigen Treffen im Vatikan zum Selbstzweck, zu einer Art Beschäftigungstherapie verkommen. Als wären sie ein willkommenes Instrument, um wichtige Themen augenscheinlich anzugehen, sie tatsächlich aber auszusitzen. Je mehr Synoden es in kurzer Abfolge gibt, desto mehr nehmen sie sich jedenfalls gegenseitig an Gewicht und ihre Wirkung droht zu verpuffen: Was ist geblieben von der Familien- und der Jugendsynode? Wo bleibt die Unterstützung des Pontifex für mutige Entscheidungen vor Ort? Sein Brief zum Synodalen Weg in Deutschland jedenfalls wirkte auf viele eher bremsend als beschleunigend, und auch "Querida Amazonia" blieb hinter den Beschlüssen der lateinamerikanischen Bischöfe zurück.

Um die Synoden im Vatikan nicht weiter abzuwerten, darf sich die jetzt angekündigte Zusammenkunft nicht einfach in die Abfolge der vorherigen Treffen einreihen. Das Verfahren muss vor allem dahin gehend überarbeitet werden, dass am Ende greifbare Ergebnisse stehen. Sonst laufen die Synoden Gefahr, ihre Themen totzureden statt Lösungen voranzutreiben.

Von Gabriele Höfling

Die Autorin

Gabriele Höfling ist Redakteurin bei katholisch.de.

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