Vatikan: Europa ist verantwortlich für Rückgang von Priestern weltweit
Grund zur Sorge vor allem auch bei Entwicklung der Orden

Vatikan: Europa ist verantwortlich für Rückgang von Priestern weltweit

Europa ist das Sorgenkind der Kirche: Laut neuer Vatikanstatistik sind massive Rückgänge bei Priesterzahlen und Ordenseintritten gerade auf dem Alten Kontinent zu verzeichnen. Das zieht die Gesamtstatistik runter – denn woanders sieht es besser aus.

Vatikanstadt - 26.03.2020

Die katholische Kirche schrumpft in Europa und Nordamerika, während sie vor allem in Afrika und Asien eine Zunahme von Gläubigen und Priestern verzeichnet. Entsprechende Daten des zentralen Statistikbüros veröffentlichte der Vatikan am Mittwoch. Demnach nahm von 2013 bis 2018 die Zahl der Katholiken weltweit um knapp sechs Prozent zu und beträgt nach jüngsten Berechnungen 1,329 Milliarden. Den höchsten Katholikenanteil in der Bevölkerung weist der amerikanische Doppelkontinent mit fast zwei Dritteln auf (63,7 Prozent). In Europa sind fast vier von zehn Einwohnern katholisch (39,7 Prozent), in Ozeanien jeder Vierte (26,3 Prozent) und in Afrika jeder Fünfte (19,4 Prozent). Schlusslicht bildet Asien mit 3,3 Katholiken auf 100 Einwohner.

Die Entwicklung der Priester weltweit wird als "eher enttäuschend" beschrieben. Nach einem leichten Anstieg seit 2013 gingen die Zahlen in den letzten drei Jahren des Berichtszeitraums bis 2018 wieder zurück, so dass insgesamt ein Schwund von 0,3 Prozent zu verzeichnen ist. Dabei legten die Priesterzahlen in Afrika um 14,3 Prozent zu, in Asien um 11 Prozent. Verantwortlich für das globale Minus ist laut dem Vatikan vor allem Europa: Dort leben 41,3 Prozent aller Priester weltweit, so dass der kontinentale Rückgang um 7 Prozent entsprechend ins Gewicht fällt.

Analog sank die Zahl der Priesteramtskandidaten in Europa um 15,6 Prozent, während sie in Afrika um den gleichen Wert stieg. Global reduzierte sich die Gruppe der Seminaristen um 2 Prozent auf rund 115.900. Ein deutliches Wachstum von 10 Prozent verzeichneten in den fünf Jahren hingegen die Ständigen Diakone. Ihre Zahl lag 2018 laut den Angaben bei rund 47.500 weltweit.

Orden geben Grund zur Besorgnis

Zu den katholischen Männerorden heißt es, deren Krise zeige kein Anzeichen einer Milderung und gebe Grund zu Besorgnis. Demnach sank die Zahl von Ordensmännern zwischen 2013 und 2018 von über 55.000 auf weniger als 51.000. Dem globalen Schwund von rund 8 Prozent stehen kontinentale Zuwächse von 6,8 Prozent in Afrika und 3,6 Prozent in Asien gegenüber.

Auch Frauenorden zeigen laut Vatikan eine kräftige Abwärtsdynamik mit einem Mitgliederrückgang von 7,5 Prozent auf zuletzt 642.000. Ähnlich wie bei den Männern erlebte Europa mit einem Minus von 15 Prozent den größten Verlust; in Ozeanien betrug er 14,8 Prozent, in Amerika 12 Prozent. Demgegenüber wuchsen die Frauengemeinschaften in Afrika um gut 9 Prozent und um 2,6 Prozent in Asien, so dass inzwischen vier von zehn Ordensfrauen in den beiden letztgenannten Kontinenten leben.

Die letzte Erhebung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hatte einen dramatischen Anstieg der Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche in Deutschland verzeichnet. Im Jahr 2018 erklärten demnach 216.078 Gläubige vor den staatlichen Behörden ihren Austritt. Gegenüber zum Vorjahr (2017: 167.504) stiegen die Kirchenaustritte um nahezu 29 Prozent an. Die Zahl der Katholiken in Deutschland lag 2018 bei 23.002.128 (2017: 23.311.321). Knapp 28 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung waren damit Mitglieder der katholischen Kirche (2017: 28 Prozent). Die Zahlen der Priester (13.285, 2017: 13.560) und Gemeindereferenten (4.537, 2017: 4.557) gingen leicht zurück. Bei den Berufsgruppen der Ständigen Diakone (3.327, 2017: 3.308) und Pastoralreferenten (3.273, 2017: 3.238) stiegen die Werte geringfügig an. Recherchen zufolge könnte die Zahl der Kirchenaustritte im Jahr 2019 noch einmal deutlich angestiegen sein. (tmg/KNA)