Playmobilfiguren stellen eine Kreuzwegstation nach: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.
Bild: © Michael Thon
Gemeindereferent mit Begeisterung für Glauben und Plastikfigürchen

Video-Projekt: Wie man Kindern den Kreuzweg mit Playmobil erklärt

Die Sonntagsmesse gibt es im Livestream, aber der Familiengottesdienst entfällt ersatzlos? Viele Online-Angebote richten sich derzeit nur an Erwachsene. Gemeindereferent Michael Thon will auch in der Corona-Krise Kindern die Ostergeschichte näherbringen – und ist dafür neue Wege gegangen.

Von Cornelius Stiegemann |  Bonn - 10.04.2020

Messen im Livestream und spirituelle Impulse zum Tagesevangelium per WhatsApp – derzeit werden viele Gemeinden in Deutschland erfinderisch. Doch die Mehrzahl der Angebote im Netz richtet sich an Erwachsene. Und wollen die Pfarreien doch einmal jüngere Adressaten erreichen, kommen sie meist mit längeren Texten daher. "Warum machen wir nur etwas für die Älteren?", fragte sich Gemeindereferent Michael Thon. "Wo bleiben denn da die Kinder?" Durch die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus sei man in der Pfarrei Heilig Geist in Hannover, wo Thon arbeitet, in den gewohnten Formen der Seelsorge so eingeschränkt wie im Rest Deutschlands. Doch eröffne die Krise auch neue Wege. Und einen dieser neuen Wege ist Thon auf dem neuen YouTube-Kanal seiner Pfarrei gegangen.

"Jesu letzte Tage in Jerusalem" – so heißt die fünfteilige Video-Reihe auf dem Kanal. Zunächst war das aber der Titel einer Oster-Ausstellung im Jahr 2017 in der Pfarrei. Der begeisterte Sammler Thon hatte das biblische Jerusalem komplett aus Bauteilen und Figuren des Playmobil-Herstellers Brandstätter nachgestellt. Mit viel Liebe zum Detail bettete er die Stationen der Ostergeschichte in den Kontext der antiken Welt mit römischer Präfektur, Marktplatz und Pferderennbahn ein. Knapp 400 verschiedene Figuren bevölkerten die Straßen und Plätze der Stadt, darunter allein 13 "Jesus-Darsteller".

Bei der Umsetzung der biblischen Geschichte mit Playmobil hatte Thon einige Herausforderungen zu meistern. Die wohl größte: Playmobilfiguren können ihre Arme nicht seitlich heben. Wie sollte Jesus also am Kreuz angebracht werden? Vor einigen Jahren hatte der evangelische Pfarrer Markus Bomhard aus Hessen schon vor dieser Frage gestanden. In seiner Playmobil-Fassung der Bibel hatte Bomhard sie gelöst, indem er die Arme der Christusfigur vorsichtig erhitzte, bis sie in die entsprechende Position gebogen werden konnten. Das brachte ihm allerdings eine Unterlassungsklage der Firma Brandstätter ein. Er habe das Urheberrecht durch seine Veränderungen verletzt, hieß es damals. Solche Experimente waren für Thon tabu, er habe mit dem arbeiten wollen, was die Figuren ihm boten. Deshalb entschied er sich für eine andere Szene des Kreuzwegs: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt. Das war auch mit der eingeschränkten Arm-Freiheit der Figuren möglich.

Playmobil führt römische Legionäre, aber keinen Heiland

Ähnliche Improvisationskunst zeigte Thon auch bei einem anderen, wichtigen Detail: "Ab der Verurteilung durch Pontius Pilatus trägt Jesus eine Dornenkrone", sagt Thon. Doch das Sortiment von Playmobil sieht dieses Accessoire nicht vor. Denn die Firma Brandstätter versteht sich als Produzent von religionsneutralem Spielzeug. Es gibt zwar eine Weihnachtskrippe und mittlerweile neben einem Weihnachtsmann auch einen Nikolaus, doch andere religiöse Figuren – wie der zum Reformationsjubiläum 2017 produzierte Martin Luther – sind Sondereditionen. Eine "Passions-Edition" gibt es jedenfalls nicht. Thon nahm daher einen Blumenkranz, der normalerweise einer Fee als Kopfbedeckung dient, entfernte die aufgesteckten Blüten, sodass nur noch der Ring mit den kleinen Steckern übrigblieb und sprühte ihn mit brauner Farbe an – fertig war die Dornenkrone.

Die Ausstellung wurde 2017 von vielen Familien besucht. Dass Thon die Szenerie damals ausgiebig fotografierte, kam ihm jetzt, drei Jahre später, zugute. Um Kindern auch in dieser Zeit die Ostergeschichte näherzubringen, erzählt er sie anhand der Bilder nach. Dabei berge die Krise auch für ihn Neues, denn das Schneiden und Bearbeiten von Videos habe er sich eigens für dieses Projekt beigebracht.

Bewusst habe er sich für eine kleine Reihe entschieden, damit die Länge der Videos die jungen Zuschauer nicht überfordere. Außerdem könnten die Kinder sich die Geschichte so über mehrere Tage hinweg anschauen. Die erste Folge führt den Schauplatz Jerusalem ein, dann geht es in den weiteren, drei- bis zwölfminütigen Videos um die Ostergeschichte vom Einzug Jesu in die Stadt über das Letzte Abendmahl, die Verhaftung im Garten von Gethsemane, die Verurteilung und den Kreuzweg bis hin zur Auferstehung. Für seine Geschichte hat sich Thon an den Texten der Neukirchener Kinderbibel orientiert.

Seit Anfang April online, wurde das erste Video bereits 400-mal geklickt. Von Kollegen aus anderen Gemeinden bekomme er positive Rückmeldungen, sagt Thon. Eine 80-jährige Dame aus seiner Pfarrei habe ihm geschrieben: "Ich habe das gleich per WhatsApp an befreundete Familien mit Kindern weitergeschickt."

Durch den Erfolg des Projekts überlege Thon thematisch nach Ostern weiterzumachen. Er habe schon Ideen für eine Szenerie, in der er den Emmausgang darstellen wolle. Doch er schreckt auch nicht vor alttestamentlichen Themen wie dem Auszug der Israeliten aus Ägypten zurück. Playmobil-Streitwagen und Pyramiden habe er schon.

Von Cornelius Stiegemann