Auf den Tod ist kein Verlass
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Pastor Christian Olding über das Sonntagsevangelium

Auf den Tod ist kein Verlass

Inmitten der unzähligen Nachrichten von Leid und Tod taucht plötzlich Ostern auf. Ist dieser Botschaft in solchen Zeiten noch zu trauen? Pastor Christan Olding wagt den Schritt ins Unbekannte – und findet Hoffnung zum Leben.

Von Christian Olding |  Geldern - 11.04.2020

Impuls von Pastor Christian Olding

Die Macht des Todes und der Vernichtung stellt sich Tag für Tag in aller Unerbittlichkeit dem Leben entgegen. Alles, was sich an Brutalität und Gewalt in unserem Leben zeigt, belegt das: angefangen bei den Opfern im Straßenverkehr, unheilbar Kranken, über häusliche Gewalt, Tod und Sterben im Familienkreis, bis hin zu staatlicher Macht und Folter. So viele sind verstummt, weil der Tod sie gefangen genommen hat. Der Tod ist so schrecklich real, so unabänderlich, so klar greifbar.

Und dann kommt Ostern. Mit einem Mal steht eine Botschaft im Raum, die den Tatsachen der Welt entgegenlacht und spottet. Nicht Not, Tod und Elend behalten das letzte Wort. Das gehört einem Andern.

Jesus ist auferstanden! Das Grab ist leer! Das Kreuz ist eben nicht das große Finale. Es gibt ein danach. Das gilt für das Ende eines Menschenlebens genauso wie für das Ende von Beziehungen. Es gilt für die zerbrochenen Hoffnungen, Wünsche und Träume. Es gilt für die nicht erfüllten Erwartungen und Ziele.

Wie Maria aus Magdala darf ich nicht beim Blick in das Dunkel des Grabes stehen bleiben. Ich darf mich nicht daran festklammern.

Wie sie muss ich mich immer wieder umwenden und der Stimme des Lebens trauen. Ich muss den Ort des Todes verlassen und das macht Angst. Es macht unsicher und ängstlich, das Greifbare, das so bedrängend Realistische zu verlassen. Selbst der Tod ist eben nicht verlässlich.

Es macht Angst, weil das, was kommt, ungewiss ist. Stimmt die Botschaft? Trägt sie? Hat sie die Kraft, mich aus der Gefangenschaft des Todes herauszuholen? Angst begleitet diese ungeheure Botschaft vom neuen Leben.

Den ersten Zeugen der Auferstehung wird gesagt: "Geht, dann werdet ihr ihn sehen!" Das gilt auch für mich. Wer sich nicht öffnen möchte, wird nie verstehen, wovon die Christen reden und was sie erhoffen. Man wird mir immer leicht nachweisen können, dass alles, was ich glaube, nicht nur die Auferstehung Jesu, gelinde gesagt, zweifelhaft ist. Doch Glaube ist immer zweifelhaft. Ansonsten wäre er in unseren Hirnen und Herzen selbstgemacht.

Was, wenn es die Auferstehung nicht gibt? Ist das wirklich die sympathischere und die menschlichere, die sinnvollere Variante? Wenn am Tod nicht gerüttelt werden kann, dann ist unsere Endstation das dunkle Loch. Zugegeben, ich kenne die Auferstehung nicht aus eigener Erfahrung. Aber kennen die, die die Auferstehung leugnen und als Illusion hinstellen das Nichts nach dem Tod aus eigener Erfahrung?

Es gibt so viele Nächte des Todes, die diese Welt heimgesucht haben und die noch durchlebt werden müssen. Doch durch das, was an Ostern und durch die Todesnacht Jesu geschehen ist, werden sie alle in ein anderes Licht gerückt. Diese Hoffnung braucht es zum Leben.

 

Von Christian Olding

Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 20,1-18)

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.

Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.

Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein.

Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.

Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.

Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.

Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen.

Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.

Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Der Autor

Christian Olding ist Pastor in der Pfarrei St. Maria Magdalena in Geldern.

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