Ein Ölgemälde der biblischen Szene des Ungläubigen Thomas in den Vatikanischen Museen.
Schwester Christine Klimann über das Sonntagsevangelium

Alles wird anders gut werden

Hoffentlich wird bald wieder alles genau so wie vorher – oder? Das heutige Sonntagsevangelium ermutigt Schwester Christine Klimann, sich auf bleibende Veränderungen einzulassen. Denn der Auferstandene will nicht nur den zweifelnden Thomas an die Hand nehmen.

Von Schwester Christine Klimann |  Rom - 18.04.2020

Impuls von Schwester Christine Klimann

"Andrà tutto bene – alles wird gut", konnte man in Italien landauf, landab auf Papierfetzen, Plakaten und Leintüchern lesen. Ein Satz, an dem man sich festhalten kann, der zutiefst wohltut. Ein Satz, der aber auch herausfordert und fragen lässt, worauf hoffen wir denn eigentlich genau? Dass alles wieder so wird wie früher – oder heißt Auferstehung noch etwas anderes?

Ostern in Zeiten des Coronavirus ist eine sehr spezielle Erfahrung. Keine feiernde Gemeinde, keine Liturgie, in die man mit allen Sinnen eintauchen kann, kein österlicher Friedensgruß. Christus ist auferstanden – trotzdem. Aber vielleicht ist dieses Jahr nicht nur die Form unserer Feiern anders, sondern auch der Klang der Botschaft. Ich bin mir nicht sicher, ob alle schon das österliche Halleluja gehört haben. So manche sind wahrscheinlich noch irgendwo zwischen Karfreitag und Karsamstag hängen geblieben. Und vielleicht hören wir alle dieses Jahr die Osterbotschaft stärker im Modus der Hoffnung.

Denn wir sind noch dabei, durchzugehen. Durch das Rote Meer, durch die Wüste, durch die Abgründe von Angst, Ungewissheit und Einsamkeit. Und noch wissen wir nicht, wo und wann wir ankommen. Aber der Auferstandene kommt uns entgegen, auch dieses Jahr. Er hat die Macht, durch verschlossene Türen zu kommen. Manche werden es erleben, für andere müssen wir hoffen: Zu allen, die eingeschlossen sind – weil sie Angst haben, weil sie nicht rausdürfen, weil sie zu viel gelitten haben – will der Auferstandene kommen, trösten und Frieden bringen.

Sicherlich ist seine Botschaft, dass alles gut wird. Aber vielleicht auf eine andere Art, als wir uns denken. Denn der Auferstandene ist derjenige, der gelitten hat. Er hat die Zeichen seines Leidens nicht versteckt oder verschwinden lassen, sondern er zeigt sie her. Seine Wunden haben ihn geprägt, aber nun sind sie verwandelt.

Ich glaube, uns wird es ähnlich gehen. Wir werden diese seltsamen und drückenden Tage nicht ungeschehen machen können, sondern die Zeit der Gesichtsmasken, der Ängste und so mancher Traumata wird uns geprägt haben. Manches wird anders geworden sein und vielleicht bleiben wir verletzlicher. Aber wir dürfen hoffen, dass unsere Wunden, dass die Wunden der ganzen leidenden Menschheit, verklärt werden. Es wird gut werden. Weil derjenige, der gelitten hat, nicht im Tod geblieben, sondern auferstanden ist. Und wie Thomas fragt der Auferstandene auch uns: Glaubst du das?

Von Schwester Christine Klimann

Evangelium nach Johannes (20,19-31)

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.

Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

Die Autorin

Schwester Christine Klimann gehört zur Kongregation der Helferinnen, ist Pastoralreferentin und studiert in Rom Psychologie.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.