Eine Frau hält einen Luftballon mit der Aufschrift "Maria 2.0"
Kritik an Bischöfen für Wiederaufnahme von Gottesdiensten trotz Corona-Pandemie

"Maria 2.0": Öffentliche Messen sind gegen Gebot der Nächstenliebe

Nach und nach werden in Deutschland schon oder bald wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert. Viele hatten das gefordert – "Maria 2.0" sieht das anders: Gottesdienste jetzt in größerer Gemeinschaft zu feiern sei "falsch und verfrüht".

Münster/Köln - 27.04.2020

Die Reformbewegung "Maria 2.0" kritisiert die Wiederaufnahme von öffentlichen Gottesdiensten in vielen Bistümern, nachdem die Verbote im Zuge der Corona-Pandemie weitestgehend aufgehoben worden waren. Die Feier gemeinsamer Messen in der aktuellen Situation gehe gegen das Gebot der Nächstenliebe, heißt es in einem am Sonntag veröffentlichten offenen Brief an die deutschen Bischöfe. "Wir sind der Überzeugung, dass sich der Kern unseres Glaubens in Jesu Doppelgebot der Liebe formuliert." In dieser Zeit der Corona-Pandemie zeige sich die Gottesliebe in der Sorge und Verantwortung für den Nächsten. "Und im Moment heißt das für viele von uns, Verzicht zu üben", heißt es weiter. Der gesamten Gesellschaft werde ein Kraftakt abverlangt, um vor allem Risikogruppen vor einer Ansteckung zu schützen.  

Das Zeichen, das von der Wiederaufnahme der öffentlichen Gottesdienste ausgehe, durchkreuze allerdings den Kraftakt, der vielen Menschen derzeit abverlangt werde, "denn damit wird die katholische Kirche gleich auf mehreren Ebenen ihrer Verantwortung nicht gerecht."  

Es sei zu erwarten, dass in den Gottesdiensten vor allem die Risikogruppe der über 65-Jährigen überproportional vertreten sei und diese sich einem erhöhten Ansteckungsrisiko aussetze. Gottesdienste mit begrenzter Teilnehmerzahl würden ebenso automatisch dazu führen, dass ein Teil der Menschen ausgegrenzt und abgewiesen werde, statt ein Zeichen der Gemeinschaft durch den Gottesdienst zu setzen. Zudem müsse die Gesellschaft als ganzes in der aktuellen Situation eine Menge aushalten. "Zeichenhaft und solidarisch wäre eine Kirche, die ausharrt an der Seite der Menschen und gemeinsam mit ihnen diese Zeit des Verzichts aushält", heißt es in dem offenen Brief. 

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Die Sehnsucht nach Gemeinschaft im Gottesdienst und der Eucharistie sei in dieser Zeit bei vielen Gläubigen sicher sehr groß. "Das alles ist gut nachvollziehbar und verständlich", so die Reformbewegung. "Dennoch halten wir es zum jetzigen Zeitpunkt für falsch und verfrüht, wieder Gottesdienste in größerer Gemeinschaft zu feiern." 

Sie fänden es wunderbar, wenn Pfarrer sich mit einer Mikrofonanlage auf Höfe und Parkplätze von Altersheimen stellen würden, "statt mit Zollstöcken die Kirchen wegen der Abstandsregeln zu vermessen", schreiben die Initiatorinnen"Gott braucht uns bei den Menschen, denn sie tragen sein Antlitz. Gewiss braucht er uns nicht, um in diesen Zeiten die Kirchen zu beleben, wenn nicht alle eingeladen sein können und die, die kommen, ein Risiko eingehen." 

In einigen Bundesländern finden seit einigen Tagen unter strengen Auflagen bereits wieder Gottesdienste statt, in anderen soll dies spätestens ab Mai wieder möglich sein. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte dazu am Freitag konkrete Hygiene-Empfehlungen vorgelegt, die unter anderem vorsehen, eine Höchstzahl an Teilnehmern festzulegen, um genügend Abstand zwischen Besuchern zu gewährleisten. (cbr