Arzt vor bewusstloser Patientin
Brüder der Nächstenliebe schließen aktive Sterbehilfe nicht aus

Vatikan erkennt Ordens-Kliniken katholische Identität ab

2017 machte der Orden der Brüder der Nächstenliebe Schlagzeilen, weil er in seinen Kliniken aktive Sterbehilfe nicht grundsätzlich ausschloss. Es folgte eine Auseinandersetzung mit der Glaubenskongregation. Die hat jetzt über den Fall entschieden.

Gent/Vatikanstadt - 06.05.2020

Psychiatrische Kliniken des belgischen Ordens "Broeders van Liefde" (Brüder der Nächstenliebe) dürfen sich seit Ende März nicht mehr als "katholisch" bezeichnen. Die vatikanische Glaubenskongregation habe dies entschieden, berichtet die belgische katholische Wochenzeitung "Tertio". Der Generalobere des Ordens, Rene Stockman, habe dem Vorsitzenden der Organisation in Belgien die Verfügung bereits im April mitgeteilt.

Der Streit, ob eine psychiatrische Klinik, die die Anwendung aktiver Sterbehilfe nicht ausschließt, sich noch als katholisch bezeichnen dürfe, geht auf das Jahr 2017 zurück. Damals hatte die belgische Organisation "Broeders van Liefde" mitgeteilt, dass sie aktive Sterbehilfe für psychisch Kranke in ihren Kliniken künftig nicht mehr ausschließe. Die Glaubenskongregation und Stockman selbst hatten daraufhin den drei Brüdern im Vorstand der Krankenhäuser in Ordensträgerschaft ein Ultimatum gestellt, sich von aktiver Sterbehilfe zu distanzieren. Zuvor hatte sich auch Papst Franziskus persönlich eingeschaltet und sich explizit gegen aktive Sterbehilfe in den Kliniken des Ordens ausgesprochen. Der Orden kündigte damals aber an, bei seiner Entscheidung bleiben zu wollen. In Belgien ist aktive Sterbehilfe seit 2002 unter bestimmten Bedingungen legal, auch für psychisch Kranke.

"Dass Rom das Etikett 'katholisch' wegnimmt, muss an sich nichts ändern"

Die "Broeders van Liefde" führen in Belgien zwölf psychiatrische Kliniken sowie Dutzende Schulen, Krippen und Orthopädiezentren. Insgesamt hat die Organisation eigenen Angaben zufolge landesweit 14.000 Beschäftigte. Rechtlich ist die Kongregation eng mit der Organisation verknüpft. Der Vorstandsvorsitzende des Vereins der Brüder der Nächstenliebe, Raf de Rycke, zeigte sich nach der Entscheidung gelassen. Sie habe keine "zivilrechtlichen Folgen", sagte er der flämischen Zeitung "De Standaard". Das bestätigt auch der Leuvener Kirchenrechtler Rik Torfs. "Die Tatsache, dass Rom das Etikett 'katholisch' wegnimmt, muss an sich nichts ändern", sagte Torfs dem "Standaard". Allerdings befürchte er ein langes Gerichtsverfahren mit "Gesichtsverlust" für beide Parteien.

Das Spezialgebiet des 1807 in Gent gegründeten Ordens Brüder der Nächstenliebe ist die Pflege von psychisch Kranken. Der Orden, der in Belgien unter dem Namen "Broeders van Liefde" bekannt ist, hat weltweit etwa 600 Mitglieder und ist in rund 30 Ländern aktiv. (tmg/KNA)