Kloster beherbergt Corona-infizierte "Westfleisch"-Mitarbeiter
Inzwischen über 280 Erkrankte unter den Beschäftigten

Kloster beherbergt Corona-infizierte "Westfleisch"-Mitarbeiter

Der Fall sorgt bundesweit für Schlagzeilen und eine Diskussion um die Rechte von Arbeitsmigranten in der Fleischindustrie: Inzwischen sind über 280 "Westfleisch"-Mitarbeiter mit Corona infiziert. Doch die Benediktiner aus Gerleve helfen den Menschen.

Münster/Billerbeck - 15.05.2020

Die Benediktinerabtei Gerleve im Münsterland beherbergt einen Teil der mehr als 200 mit Corona infizierten "Westfleisch"-Mitarbeiter. Das teilte die Abtei laut dem Portal kirche-und-leben.de aus Münster (Donnerstagabend) mit. Für die nächsten Wochen stellen die Benediktiner den betroffenen Arbeitern demnach ihre Jugendbildungsstätte mit dem dazu gehörigen Gelände zu Verfügung.

Der Entscheidung seien umfangreiche Beratungen mit dem Kreis Coesfeld und der Stadt Billerbeck vorangegangen. Ein detailliertes Konzept stelle den Schutz aller Beteiligten sicher, so die Mönche. Gastfreundschaft zähle zu den wichtigsten Aufgaben des Benediktinerordens. Die ersten Gäste könnten bereits an diesem Freitag eintreffen. Da sich das Jugendhaus im oberen Bereich des Abteigeländes befindet, stünden allen Besuchern Abteikirche, Buchhandlung, Parkplatz und Kinderspielplatz im unteren Teil wie bisher offen.

Inzwischen 280 Infizierte unter Mitarbeitern festgestellt

Vor einer Woche wurde der Betrieb im Coesfelder Schlachthof ausgesetzt, nachdem mehr als 100 Beschäftigte positiv auf das Corona-Virus getestet worden waren. Unter den rund 1.000 Mitarbeitern wurden inzwischen mehr als 280 Infizierte festgestellt. Der katholische Sozialpfarrer Peter Kossen aus Lengerich hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass der Arbeitsschutz und die Unterbringung der Arbeitsmigranten Infektionen mit dem Virus begünstigten. Am Samstag demonstrierte er mit einer angemeldeten "Ein-Mann-Demo" gegen die Arbeitsbedingungen in Fleischfabriken und Schlachthöfen. Fast drei Stunden lang stand er mit Schildern wie "Moderne Sklaverei beenden" vor dem Werkstor von "Westfleisch" im westfälischen Coesfeld. Kossen ist Gründer des Vereins "Aktion Würde und Gerechtigkeit", der Arbeitsmigranten aus Ost- und Südosteuropa unterstützt und über ihre Rechte aufklärt. Inzwischen müssen sich alle Mitarbeiter in nordrhein-westfälischen Schlachtbetrieben auf Anordnung der Landesregierung einem Corona-Test unterziehen.

Zur Benediktinerabtei Gerleve gehören derzeit 37 Mönche. Deren Geschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Mitte April trat Abt Laurentius Schlieker (68) aus gesundheitlichen Gründen zurück. Die für Mai geplante Abtwahl wurde wegen der Corona-Krise auf unbestimmte Zeit verschoben. (tmg/KNA)