Fünf Jahre nach "Laudato si": Vatikan drängt auf mehr Umweltschutz
Kriterien für ökologische Investments aufgestellt

Fünf Jahre nach "Laudato si": Vatikan drängt auf mehr Umweltschutz

In einer kranken Welt können auch die Menschen nicht gesund bleiben: Corona hat die ökologischen Probleme nur noch deutlicher werden lassen. Deshalb haben vatikanische Behörden nun konkrete Umsetzungsvorschläge für "Laudato si" veröffentlicht.

Vatikanstadt - 18.06.2020

Fünf Jahre nach Veröffentlichung der Umweltenzyklika Laudato si von Papst Franziskus hat der Vatikan die Weltgemeinschaft erneut zum Handeln aufgerufen. Mehrere vatikanische Behörden stellten am Donnerstag ein gemeinsam verfasstes Dokument vor, das Wege zu einem "ökologischen Wandel" aufzeigen soll.

"Es handelt sich nicht um eine Kopie des Papstschreibens", sagte Kurienerzbischof Paul Gallagher bei der Präsentation des Texts. Die 227 Seiten unter dem Titel "Auf dem Weg zur Sorge für das gemeinsame Haus" enthielten konkrete Praxisbeispiele, wie die Anregungen von Franziskus umgesetzt werden könnten.

Die verschiedenen Initiativen seien mithilfe katholischer Institutionen in aller Welt zusammengestellt worden, so der Außenbeauftragte des Vatikan. Es gehe um die Vermeidung von Umweltverschmutzung, einen Umstieg auf erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaften oder Bildungsprojekte.

Besonderer Schutz für Ökosysteme wie den Amazonas-Regenwald

Im Kapitel zum Thema Finanzen wird dazu aufgerufen, nicht in Unternehmen zu investieren, "die gewisse Kriterien nicht erfüllen". Dazu zählen unter anderem Achtung der Menschenrechte, Ausschluss von Kinderarbeit sowie Umweltschutzvorgaben. Inakzeptabel seien Investments in Zusammenhang mit Abtreibung, Waffenherstellung oder fossilen Brennstoffen. Besonderer Schutz müsse für empfindliche Ökosysteme wie den Amazonas-Regenwald gelten. Die Belange der dortigen indigenen Völker seien unbedingt zu respektieren.

Erzbischof Paul Richard Gallagher, bei einer internationalen Konferenz

Erzbischof Paul Richard Gallagher, Außenbeauftragter des Heiligen Stuhls, spricht im Vatikan auf der internationalen Konferenz "für eine atomwaffenfreie Welt und integrale Abrüstung" am 11. November 2017.

Auch auf soziale Aspekte wie menschenwürdige Arbeit und gerechte Löhne gehen die Ausführungen ein. Aloysius John, Generalsekretär des Dachverbandes Caritas Internationalis, fordert einen "Systemwechsel hin zu mehr Gerechtigkeit".

Erzbischof Gallagher gab bei der Pressekonferenz einen weiteren Vorstoß in Sachen Klimaschutz bekannt: Der Heilige Stuhl werde in Kürze die Kigali-Änderungen zum Montreal-Protokoll unterzeichnen. Papst Franziskus hatte diesen Schritt bereits im November angekündigt.

Die sogenannten Kigali-Änderungen von 2016 zielen auf eine Reduktion von Fluorkohlenwasserstoffen, die zwar nicht die Ozonschicht angreifen, aber für den Treibhauseffekt mitverantwortlich sind. Das Protokoll von Montreal ist ein internationaler Umweltvertrag, der die Umsetzung des Wiener Ozon-Abkommens von 1985 regelt. Das Protokoll war 1987 unterzeichnet worden und trat 1989 in Kraft. Der Heilige Stuhl trat dem Abkommen und dem Protokoll als einer der letzten Unterzeichner bei.

Die Pandemie verleiht den Worten des Papstes weitere Bedeutung

Mit Blick auf die Corona-Pandemie betonte Vatikansprecher Matteo Bruni, dass Laudato si dadurch noch an Bedeutung gewonnen habe. Er zitierte den Papst mit den Worten: "Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden." Umso wichtiger sei nun, endlich neue Wege einzuschlagen. Einige Möglichkeiten, wie diese Umkehr gestaltet werden könnte, seien in dem neuen Dokument aufgelistet. Es richte sich vor allem an Katholiken, Kirchenmitarbeiter und nicht zuletzt an Regierungen weltweit, die zu einem Wandel beitragen wollten.

Das 2015 veröffentlichte Schreiben Laudato si gilt als erste päpstliche Umweltenzyklika. Sie ist zugleich eine "grüne Sozialenzyklika", mit der Franziskus eine "ganzheitliche Ökologie" aus Sicht der Ärmsten vertritt. Laut Franziskus kann man über Umweltschutz nicht sprechen, ohne soziale Gerechtigkeit, das globale Wirtschaftssystem, die Flüchtlingsproblematik und die Menschenrechte in den Blick zu nehmen. (KNA)