Bischöfe diskutieren bundesweite Neuausrichtung der Priesterausbildung
Gewichtung der Ausbildungsstandorte

Bischöfe diskutieren bundesweite Neuausrichtung der Priesterausbildung

Wird die Priesterausbildung in Deutschland künftig neu ausgerichtet? Darüber diskutierte jetzt der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz. Demnach könnte eine neue Gewichtung von Ausbildungsstandorten vorgenommen werden – und bisherige Priesterseminare könnten schließen. Entschieden ist aber noch nichts.

Berlin - 23.06.2020

Die deutschen Bischöfe denken über eine bundesweite Neuausrichtung der Priesterausbildung nach. Wie die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Dienstag mitteilte, ist dabei eine Gewichtung der bisherigen Ausbildungsstandorte im Gespräch, "die eine bestmögliche Ausbildung der künftigen Priester ermöglichen soll". Demnach könnten künftig als Standorte für die Einführungsphase vor dem Studium (das sogenannte "Propädeutikum") Freiburg und Bamberg dienen; Standorte für die Ausbildung in der Phase der Studien wären München, Münster und Mainz; Standorte für die Ausbildung im Pastoralkurs wären Paderborn in Kooperation mit Erfurt, Rottenburg-Stuttgart sowie ein noch durch die Freisinger Bischofskonferenz für Bayern festzulegender Standort. Schließlich bliebe der Standort für die bundesweite Ausbildung Spätberufener ohne akademischen Abschluss das überdiözesane Seminar Lantershofen.

Diese Vorschläge seien von einer Arbeitsgruppe erstellt worden und vom Ständigen Rat der DBK "als Grundlage für weitere Diskussionen und Überlegungen entgegengenommen" worden, hieß es. "Eine Entscheidung über die Standorte ist nicht gefallen." Die Ausbildungsorte "Redemptoris Mater" für die neokatechumenale Ausbildung der Priesterkandidaten in Köln, das "Collegium Orientale" (Eichstätt) sowie das "Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum" (Rom) würden gesondert betrachtet und seien mit ihrem spezifischen Profil auch weiter für die Priesterausbildung vorgesehen, hieß es weiter.

Die noch aktiven weiteren Ausbildungsstandorte in Aachen, Fulda, Hildesheim, Limburg und Trier sind dann ebenso in Gefahr wie vier der fünf weiteren Standorte in den Diözesen der Freisinger Bischofskonferenz. Hierzu zählen Augsburg, Passau, Speyer, Regensburg und Würzburg. Auch die Jesuitenhochschule Sankt Georgen könnte demnach betroffen sein.

Prozess entbindet nicht den Diözesanbischof

Die Arbeitsgruppe hat sich den Angaben zufolge in einem mehrmonatigen geistlichen Prozess mit der Qualitätssicherung der Priesterausbildung in Deutschland befasst. Der Abschlussbericht wurde demnach am Dienstag bei der Sitzung des Ständigen Rates in Berlin von Bischof Felix Genn (Münster), Bischof Michael Gerber (Fulda) und Bischof Heinrich Timmerevers (Dresden-Meißen) vorgetragen und von den Bischöfen erörtert. Die Arbeitsgruppe werde den weiteren Prozess der Reflexion und Entscheidung auf Ebene der Bischofskonferenz strukturieren, hieß es. "Der hier angestrebte Prozess der Profilierung und Konzentrierung der Priesterausbildung auf Bundesebene entbindet den einzelnen Diözesanbischof nicht von seiner Verantwortung, die Entscheidung über den konkreten Ausbildungsweg und die damit verbundene Frage nach den Standorten der Priesterausbildung seines Bistums zu treffen." Konkret bedeutet das, dass es dem einzelnen Bischof selbst überlassen ist, ob das Priesterseminar seiner Diözese letztlich geschlossen wird.

An die Auswahl der Ausbildungsstandorte knüpft die Arbeitsgruppe bestimmte, bereits vom Ständigen Rat abgesegnete Kriterien, die für die Studienphase erfüllt sein müssen: Dazu zählen die Ausbildung möglichst aller pastoralen Berufe, eine Theologische Fakultät, eine Religionspädagogische Hochschule, aber auch entsprechendes Personal für die fachliche und geistliche Begleitung sowohl der Priester wie auch anderer pastoraler Berufe. (tmg)