Ein Hinweisschild in einer Behörde, auf dem "Kirchenaustritte" steht.
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Immer mehr Menschen kehren der Kirche den Rücken zu

Theologin Knop zu Kirchenaustritten: Reformdebatte noch ohne Wirkung

Die Marginalisierung der Kirche werde bisher nicht aufgehalten, sagt die Theologin Julia Knop. Sogar diejenigen, denen die Kirche etwas bedeute, wendeten sich ab. Entscheidend für die Zukunft sei der Umgang mit dem Thema Zeitgenossenschaft.

Köln - 28.06.2020

Die Erfurter Theologin Julia Knop sieht in der Rekordzahl von Kirchenaustritten den "Skandal einer Erosion von innen". Dem "Kölner Stadt-Anzeiger" sagte sie am Wochenende, der Missbrauchsskandal habe gezeigt, dass Krisen Mitglieder kosten. Allerdings, so die Dogmatik-Professorin, habe die beginnende Reformdebatte 2019 keine Trendwende gebracht.

Julia Knop ist Professorin für Dogmatik an der Universität Erfurt.

"Kein Wunder, Reformfähigkeit ist erst zu beweisen. Die Marginalisierung der Institution wird dadurch nicht aufgehalten", ergänzte Knop. Inzwischen treibe es sogar "die aus der Kirche, denen sie etwas bedeutet". Diese Menschen bräuchten "eine Kirche, für die Zeitgenossenschaft kein Unwort, sondern ein Anliegen ist".

Gut 270.000 Menschen verlassen katholische Kirche

Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben im vergangenen Jahr erstmals insgesamt über 500.000 Mitglieder durch Austritt verloren. In den 27 katholischen Bistümern verließen 272.771 Menschen ihre Kirche, gut 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Den evangelischen Kirchen kehrten etwa 270.000 Menschen den Rücken - rund 22 Prozent mehr als 2018.

Auch andere Kirchenvertreter hatten sich besorgt gezeigt und die Notwendigkeit zu Änderungen angemahnt. So sagte etwa der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, die Zahlen signalisierten, "wie sehr sich getaufte Menschen von unserer Kirche entfremdet haben". Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße sagte, er setze große Hoffnungen auf den Reformprozess auf Bundesebene. Münsters Bischof Felix Genn und der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer nannten als eine Ursache für die hohen Austrittszahlen den Missbrauchsskandal. (gho/KNA)