Ein Kind betet
Schwester Jordana Schmidt über das Sonntagsevangelium

So wie ein Kind: Zu Gott dürfen wir Vertrauen haben

"Ich bin für Dich da." Sätze wie diesen haben viele Menschen schon einmal von Freunden oder Verwandten gehört. Auch Gott verspricht immer wieder seine Unterstützung, ist Schwester Jordana Schmidt überzeugt. Doch die Ordensfrau weiß: Gottes Hilfe anzunehmen, ist meist nicht einfach.

Von Sr. Jordana Schmidt OP |  Schwalmtal-Waldniel - 04.07.2020

Impuls von Schwester Jordana Schmidt

"Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken." Was für ein toller Satz, mitten im Sommer, mitten in Coronazeiten, mitten im Jahr. "Wenn du Stress hast – melde dich, ich bin für dich da. Ich sorge, dass es dir wieder gut geht" – so würde ich das vielleicht heute jemandem sagen. Ich hatte Stress in den letzten Wochen. Ich musste mich von Kindern verabschieden, die acht Jahre in meiner Kinderdorffamilie gelebt haben.

In dieser Zeit waren mir solche Sätze ein Trost. Ich habe sie von Mitschwestern, Kolleginnen sowie Freunden und Freundinnen gehört. Ich habe gespürt, ich muss das nicht alleine tragen. Das tat gut. Und in den Stunden in denen ich dann doch damit alleine war, erinnerte mich dieser Satz aus dem heutigen Evangelium, an Gottes Versprechen und seine Nähe, an seinen Trost.

Das größte Hindernis in all den Versprechen, ist mein eigener erster Schritt. Da steht nicht, "ich komme zu dir, wenn…", sondern "komm…" . Ich muss mich auf den Weg machen. Ich muss nach dem Hörer greifen und einen Anruf tätigen, jemanden ansprechen, die Stille suchen oder das Sprechen mit Gott. Mir wird nur geholfen wenn ich Hilfe annehme und bereit bin mir helfen und zuhören zu lassen. Für viele eine große Hürde. Deswegen spricht Jesus im ersten Teil des Textes auch davon, dass es den Unmündigen einfacher fällt um diese Hilfe zu fragen. Kinder sind da direkt.

Das merke ich in meinem Alltag. Da werde ich hundert Dinge gefragt: Ich soll beim Reißverschluss, bei den Matheaufgaben, beim Haare kämmen helfen oder beim Streit schlichten. Ohne Probleme nehmen Kinder Hilfe an. Wann nur verlernen wir das? Wenn wir meinen alles mit uns selbst ausmachen zu müssen, weil wir doch so klug und "weise" sind? Wenn wir uns zu viele Gedanken darum machen, was andere von uns denken? Wenn wir zu viele Erfahrungen gemacht haben, die uns bremsen, für die wir uns schämen oder die schmerzhaft waren? 

Gott ermutigt uns, dass wir zu dieser kindlich-vertrauenden Art zurückkehren. Bei ihm dürfen wir so sein, egal wie klug oder erfahren wir im Leben sind. Wir müssen in unserem Stress, in unserer Angst und Not nicht alleine sein. Diese Zusage gilt. Bis heute. Vertrauen wir darauf und gehen den ersten Schritt. Greifen wir zum Telefon, machen wir den Mund und unser Herz auf. Muten wir uns anderen und Gott zu. Und seien wir einladend den Menschen gegenüber, die unsere Unterstützung brauchen. Sprechen wir Hilfsangebote aus oder noch einfacher – tun wir etwas Gutes!

Von Sr. Jordana Schmidt OP

Evangelium nach Matthäus (11,25-30)

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

Die Autorin

Schwester Jordana Schmidt OP ist gelernte Familientherapeutin und Diplom-Heilpädagogin. Seit 1994 gehört sie den Dominikanerinnen von Bethanien an. Von 2002 bis 2012 arbeitete sie als Erziehungsleiterin im Bethanien Kinderdorf in Schwalmtal-Waldniel. Seitdem ist sie Kinderdorfmutter von fünf Kindern. Sie ist mehrmals im Jahr im Radio bei "Kirche im WDR" zu hören. Ihre Bücher "Auf einen Tee in der Wüste" und "Ente zu verschenken" waren wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreiben Ordensleute und Priester für uns.