Initiative "Maria 2.0"
Kritik an bischöflichem "Vulgärmarxismus"

Hauke: Marienbild des Synodalen Wegs "nicht mehr katholisch"

Die Protestbewegung Maria 2.0 und Teile der Mitglieder des Synodalen Wegs vertreten ein "nicht mehr katholisches" Marienbild – sagt der Mariologe Manfred Hauke. Er fordert eine Rückbesinnung auf die Lehre der Kirche über die Gottesmutter.

Würzburg/Lugano - 15.07.2020

Der Luganer Dogmatiker und Mariologe Manfred Hauke kritisiert das im Synodalen Weg und bei der Protestbewegung Maria 2.0 vertretene Marienbild als "nicht mehr katholisch". In einem Beitrag für die Zeitung "Die Tagespost" (Mittwoch) fordert er eine "umfassende Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Gottesmutter in der Kirche". Wer "mit theologischen Manifesten, pseudo-synodalen Abstimmungsmechanismen und Bestreiken der Liturgie für das Frauenpriestertum" eintrete, vertrete damit eine Haltung, die nicht mit der Glaubenslehre der Kirche von der Gottesmutter übereinstimme.

Hauke betont die Lehre von Maria als Urbild der Kirche, die symbolhaft als Mutter und Jungfrau geschildert wird. Mit Papst Johannes Pauls II. Apostolischem Schreiben "Mulieris dignitatis" (1988) weist er auf Jungfräulichkeit und Mutterschaft als "zentrale Dimensionen für die Berufung der Frau" hervor. Mit Blick auf den Bund zwischen Gott und den Menschen erscheine "die empfangende Bereitschaft und die Mitwirkung des Menschen im Heilsgeschehen symbolhaft in der Gestalt der 'Braut', während die Initiative Gottes mit den Zügen des 'Bräutigams'" gezeichnet werde.

Gespür für Komplementarität der Geschlechter dürfe nicht verloren gehen

Dies finde auch im christlichen Eheverständnis seinen Widerhall, das im Epheserbrief geschildert ist, indem der Mann als "Haupt der Frau" bezeichnet wird. Derartige Stellen seien aber heute "zum Anstoß" geworden und auch in der Eheliturgie immer weniger präsent. "Dass die Erinnerung an diese Aussagen in der nachkonziliaren Kirche selten geworden ist, gehört mit zur 'Inkubationszeit' des Synodalen Weges", so Hauke.

Manfred Hauke ist Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät von Lugano, Schweiz, und Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Mariologie.

Manfred Hauke ist Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät von Lugano, Schweiz, und Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Mariologie.

Der Mariologe will dabei die Teilhabe von Frauen an Leitungsaufgaben nicht in Frage stellen. Auf keinen Fall dürfe aber "das Gespür für die Komplementarität der Geschlechter verloren gehen". In "bestimmten Kreisen" des Synodalen Wegs sieht Hauke "ganz ähnliche Vorstellungen" zum Marxismus. Explizit nennt er dabei den jüngst veröffentlichten Abschlussbericht des Bistums Limburg zur Aufarbeitung von Missbrauch in der Kirche. Die darin enthaltene Kritik an männerdominierten Machtstrukturen und Geschlechterhierarchien sieht Hauke als "im Grund nichts anderes als bischöflich geförderter Vulgärmarxismus". Hauke plädiert daher für eine Aufnahme der Mariologie als Pflichtstoff im Theologiestudium.

Maria 2.0: "Das Magnifikat sicher nicht mit geschlossenem Mund gesungen"

Das von Hauke dargestellte Marienbild wird von Vetreterinnen von Maria 2.0 dezidiert nicht geteilt. So wirft die Mitgründerin von Lisa Kötter, der Kirche vor, sie habe das Bild von Maria devot, schweigend und dienend gezeichnet: "Aber sie war eine starke, mutige Frau. Sie hat das Magnifikat bestimmt nicht mit geschlossenem Mund gesungen." Zudem haben sich schon seit Jahren feministische Perspektiven auf Maria entwickelt.

Der 1956 geborene Manfred Hauke ist seit 1993 Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät Lugano (Schweiz). Bereits in seiner Promotion hatte er sich mit der "Problematik um das Frauenpriestertum vor dem Hintergrund der Schöpfungs- und Erlösungsordnung" beschäftigt. Im April berief ihn Papst Franziskus in die neue Studienkommission zur Erforschung des Frauendiakonats. Hauke ist Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Mariologie und Mitglied der Internationalen Marianischen Päpstliche Akademie. 2018 warf er dem Vatikan Versäumnisse im Umgang mit dem Marienwallfahrtsort Medjugorje vor. (fxn)