Die Heilige Anna betet das Jesus-Kind an
Erwähnung auch in nicht christlichen Schriften und der Kunst

Joachim und Anna: Die Großeltern Jesu gehören zur "Heiligen Sippe"

Maria und Josef, die Eltern von Jesus, sind jedem Christen ein Begriff. Aber bei Joachim und Anna müssen viele schon passen. Dabei gehören auch sie zu den Vorfahren Jesu – und zeigen seine menschliche Seite.

Von Fabian Brand (KNA) |  Bonn - 26.07.2020

Anna selbdritt heißt eine Darstellung aus der christlichen Kunst, die drei Generationen vereint: Maria und das Jesuskind sind dort zu sehen, aber auch noch eine dritte Person. Es ist die Mutter Marias, die den Namen Anna trägt. Die Evangelien des Neuen Testaments berichten freilich nichts über die Großeltern Jesu, grundsätzlich erzählen sie sowieso nicht viel über seine Kindheit oder Familie.

Dass Jesus bei Maria und Josef in Nazareth aufgewachsen ist, heißt es im Lukasevangelium, aber das ist auch schon alles. Die Menschen jedenfalls haben sich mit diesen fragmentarischen Erzählungen nicht zufriedengegeben. Wenn Gottes Sohn schon in eine menschliche Familie hineingeboren wird, dann muss er auch Verwandte haben, Großeltern zum Beispiel, Joachim und Anna nämlich.

Eine erste Erwähnung dieser Großeltern Jesu findet sich im Protoevangelium nach Jakobus, einer apokryphen Schrift, die wohl um das 2. Jahrhundert entstanden ist. Diese Evangelienschrift wurde nicht in den Kanon des Neuen Testaments aufgenommen, obwohl sie wahrscheinlich eine sehr beliebte Lektüre war.

In ihr wird sehr ausführlich die Vorgeschichte Jesu erzählt: So werden Joachim und Anna als Eltern Mariens eingeführt, deren Ehe zunächst kinderlos war. Nachdem Anna aber Gott um Gnade angefleht und ihm versprochen hatte, ihm ihr Kind zu weihen, erschien ihr und ihrem Mann ein Engel, der ihr die Schwangerschaft ankündigte. Neun Monate später gebar Anna eine Tochter, der sie den Namen Maria gab und die sie im Alter von drei Jahren in den Tempel brachte.

Geschichte erinnert an das Alte Testament

Die Geschichte um Joachim und Anna, wie sie das Protoevangelium schreibt, besitzt starke Anklänge an andere Erzählungen aus dem Alten Testament: Abraham und Sara beispielsweise hatten ebenso vergeblich auf Nachwuchs gehofft und wurden noch im hohen Alter Eltern.

Schon um das Jahr 500 berichtet ein Pilger in Jerusalem von einer Marienkirche, die sich neben dem Betesda-Teich nahe des heutigen Löwentors befunden habe. In dieser byzantinischen Kirche, die auch auf dem Madaba-Mosaik dargestellt ist, hat man sich an die Geburt Mariens durch ihre Mutter Anna erinnert, wie es in einem Text des Patriarchen Sophronius aus dem 7. Jahrhundert heißt.

heilige anna

Das Gemälde zeigt die heilige Anna mit ihrem Ehemann Joachim und der gemeinsamen Tochter, der Gottesmutter Maria.

Die Kreuzfahrer schließlich erbauten an der Stelle der einstigen Kirche eine prächtige Basilika, die Joachim und Anna gewidmet war und in deren Inneren sich das Grab der Eltern Mariens befand. Bis heute kann man in der Sankt Anna-Kirche in eine Krypta hinabsteigen, in der an die Geburt Marias erinnert wird.

Interessant ist, dass die Großeltern Jesu nicht nur in der christlichen Literatur Erwähnung finden. Auch der Koran berichtet vom Vater Marias, welcher in Sure 66 allerdings den Namen Imran trägt. Auf christlicher Seite wurde die Geschichte um Joachim und Anna immer weitererzählt: Auch in der Legenda aurea aus dem 13. Jahrhundert wurde die ursprüngliche Erzählung aus dem Protoevangelium des Jakobus vertieft und ausgestaltet.

Gemäß der in ihr enthaltenen Lebensgeschichte habe Anna nach dem Tod Joachims gar noch zwei andere Männer geheiratet und zwei weitere Töchter geboren. Besonders im späten Mittelalter setzte eine große Verehrung der Großeltern Jesu ein: Es entstanden nicht nur die berühmten Darstellungen der Anna selbdritt, sondern auch die Familienbilder der sogenannten Heiligen Sippe. In dieser Zeit wurde auch der Festtag von Joachim und Anna in den kirchlichen Kalender aufgenommen: Papst Gregor XIII. legte ihn im Jahr 1584 für den 26. Juli fest.

Großeltern weisen auf Menschlichkeit Jesu hin

Ob Bruderschaften zu Ehren der heiligen Anna, Annafeste oder Kirchenpatronate zu Ehren von Joachim und Anna: Die Großeltern Jesu werden bis heute im kirchlichen Leben sehr verehrt. Wenngleich ihre Namen und ihr Leben erst sehr spät in Texten Erwähnung finden, so sind sie doch aus dem Heiligenkalender nicht mehr wegzudenken.

Und neben all dem wunderbaren, das über ihr Leben berichtet wird, so weisen sie doch vor allem auf die Menschlichkeit Jesu hin: Er wurde in einer menschlichen Familie geboren, in der er zwischen den Generationen aufgewachsen ist und von ihnen vieles lernen durfte. Gott ist in ihm eben ganz Mensch geworden – mit all dem, was zu unserem Menschsein dazugehört. Darauf weisen die Großeltern Joachim und Anna hin.

Von Fabian Brand (KNA)