Ein Kardinal bei der Feier eines Gottesdienstes im Petersdom.
Kataloniens Präsident kündigt Sanktionen an

Messe trotz Verbots gefeiert: Kardinal droht Disziplinarverfahren

Er feierte eine Gedenkmesse für die Opfer der Corona-Pandemie – doch hielt sich dabei nicht an die Vorgaben: Das hat nun für den Erzbischof von Barcelona, Kardinal Juan Jose Omella, womöglich ein Nachspiel. Seine Diözese wehrt sich.

Madrid - 29.07.2020

Eine am Sonntagabend veranstaltete Trauermesse für Covid-19-Opfer in der Kathedrale Sagrada Familia hat für den Erzbischof von Barcelona, Juan Jose Omella, womöglich ein Nachspiel. Da sich der Kardinal den Regelungen der katalanischen Behörden, wonach Gottesdienste nur mit zehn Personen stattfinden dürfen, wissentlich widersetzte, droht ihm laut Medienberichten (Mittwoch) nun ein Disziplinarverfahren. Dies habe der Präsident der autonomen Region, Quim Torra, mitgeteilt.

Unterdessen hat die Erzdiözese Barcelona bereits am Montag rechtliche Schritte gegen das Gottesdienstverbot angekündigt. Gegenüber der Nachrichtenagentur EFE bekräftigten Diözesansprecher die Absicht, gegen "die Willkür und Wehrlosigkeit, unter der das verfassungsmäßig geschützte Recht auf Religionsfreiheit und freie Religionsausübung leidet", vorzugehen. Omella hatte es als ungerecht kritisiert, dass in die bekannte Basilika seit vergangenem Wochenende zwar 1.000 Touristen eingelassen werden, bei Gottesdiensten jedoch die strenge Beschränkung gelte.

Aus dem Büro des Erzbischofs hieß es laut dem Portal vidanuevadigital.com, die Regierung habe Anfang Juli für das Requiem zunächst grünes Licht gegeben, ehe dann am 17. Juli nach Protesten gegen die Ausgangssperre allgemeine restriktive Bestimmungen verfügt worden seien. Nur Veranstaltungen in Kirchen müssten seither auf zehn Teilnehmer beschränkt sein, während andere Veranstaltungen mit einer Einschränkung auf 50-prozentige Kapazität stattfinden dürften. Schon damals habe die Erzdiözese um eine ausnahmsweise Lockerung für die symbolträchtige Trauermesse in Barcelonas Wahrzeichen ersucht.

Erzdiözese: Zu spät informiert

Laut eigenen Angaben wurde die Erzdiözese erst am Samstagmittag über die behördliche Absage informiert - zu spät, um beim Verwaltungsgericht dagegen Einspruch zu erheben. Man habe sich daher nach rechtlicher Beratung dazu entschieden, die Messe mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen wie der Einhaltung von Abstandsregeln, dem Tragen von Gesichtsmasken und Temperaturmessung durchzuführen.

Katalonien ist derzeit der Hotspot von Spaniens neuer Corona-Welle, hier gab es zuletzt die Hälfte aller täglich rund 300 bestätigten Covid-19-Neuinfektionen. Am Wochenende hatte die Regionalregierung die Schließung sämtlicher Diskotheken und Konzertsäle mit Tanzflächen sowie für Bars, Restaurants, Spielhallen und Kasinos eine Sperrstunde angeordnet. Die Sagrada Familia war an den ersten beiden Juliwochenenden nach monatelanger Schließung für Berufsgruppen im Dienst an Covid-19-Patienten und am 18. Juli für die Allgemeinheit geöffnet worden - bei kostenlosem Eintritt. Wie es zuletzt hieß, ist der Zeitplan für die Vollendung der von Stararchitekt Antonio Gaudi entworfenen Basilika bis zum Jahr 2026 angesichts des nahezu kompletten Ausfalls von Touristen und somit auch der Eintritts-Einnahmen ungewiss. (tmg/KNA)