Priester und Autor Stefan Jürgens warnt vor Relevanzverlust der Kirche
"Wenn der Synodale Weg scheitert, geht die Kirche gesellschaftlich ins Ghetto"

Priester und Autor Stefan Jürgens warnt vor Relevanzverlust der Kirche

"Kirche ist und hat kein Thema mehr, weil sie ihre eigenen Hausaufgaben nicht gemacht und dadurch an Relevanz weitgehend verloren hat": Der Pfarrer und Buchautor Stefan Jürgens sieht im Synodalen Weg die allerletzte Chance für die katholische Kirche.

Münster - 04.08.2020

Der Priester und Buchautor Stefan Jürgens beklagt eine zunehmende Bedeutungslosigkeit der katholischen Kirche in der Gesellschaft. "Kirche ist und hat kein Thema mehr, weil sie ihre eigenen Hausaufgaben nicht gemacht und dadurch an Relevanz weitgehend verloren hat", schreibt der Pfarrer aus Ahaus im Bistum Münster in einem Gastkommentar auf dem Online-Portal kirche-und-leben.de (Dienstag). Themen zu finden sei für die Gemeinden schwer geworden. Wie wolle die Kirche etwa für Demokratie eintreten, wenn sie selbst "monarchisch und klerikal" aufgestellt sei, fragt Jürgens.

Wenn der Synodale Weg scheitert...

Der Autor befürwortet den Reformdialog der katholischen Kirche in Deutschland, den sogenannten Synodalen Weg. "Wenn der Synodale Weg scheitert, geht die Kirche gesellschaftlich ins Ghetto, sie wird zur Sekte", mahnt Jürgens. Der Pfarrer hatte im November zusammen mit drei weiteren Priestern einen öffentlichen Aufruf zum Reformdialog gestartet. An dessen Ende müssten konkrete Beschlüsse stehen, "die den Klerikalismus, eine der Wurzeln des Missbrauchs in der Kirche, wirksam bekämpfen", heißt es darin. In seinem Buch "Ausgeheuchelt!" fordert Jürgens zudem, Frauen zu Weiheämtern zuzulassen, den Pflichtzölibat zu beenden und mit Homosexuellen wertschätzender umzugehen.

Nach intensivem Ringen hatten die deutschen Bischöfe im Frühjahr 2019 einen verbindlichen Synodalen Weg beschlossen. Dabei soll es vor allem um die Themen Macht, Sexualmoral, Lebensform der Priester und die Rolle von Frauen in der Kirche gehen. Unter Mitarbeit von katholischen Laien und externen Experten wollen die Bischöfe ihre Positionen zu diesen Fragen klären. Der Missbrauchsskandal hatte die Kirche in eine Vertrauenskrise gestürzt, in der Rufe nach Reformen lauter wurden.

Wegen der Corona-Pandemie wird der Synodale Weg verlängert. Statt im Oktober 2021 endet die Reforminitiative nach derzeitigem Stand im Februar 2022. Die Synodalversammlung, das höchste beschlussfassende Gremium des Synodalen Wegs, hatte zu Beginn des Jahres erstmals in Frankfurt getagt. Ein zweites Treffen in der hessischen Metropole mit den rund 230 Teilnehmern war für Anfang September vorgesehen. Dieses Treffen wird nun wegen der Pandemie verschoben und soll im Februar 2021 stattfinden. Anstelle des ursprünglichen Termins laden die Organisatoren für den 4. September zu Regionaltreffen in Berlin, Dortmund, Frankfurt, Ludwigshafen und München mit jeweils maximal 50 Teilnehmern ein. (tmg/KNA)