Eine Indigene überreicht Papst Franziskus bei der Abschlussmesse der Amazonas-Synode eine Pflanze.
Persönliche Notiz erklärt Franziskus' Entscheidung

"Viri probati" bei Amazonas-Synode: Darum hat Papst nicht zugestimmt

Kann die Amazonas-Synode die Weihe von "viri probati" ermöglichen? Diese Frage stellten sich bis zur Veröffentlichung von "Querida Amazonia" viele Katholiken weltweit. In einer Notiz erklärt Franziskus nun, warum er diesen Punkt nicht umgesetzt hat.

Rom - 07.09.2020

Papst Franziskus hat erklärt, warum er das positive Votum der Amazonas-Synode zur Priesterweihe von bewährten verheirateteMännern, sogenannten "viri probati", nicht aufgenommen hat. Es habe bei der Synode zwar eine "gute, produktive und sogar notwenige" Debatte zu diesem Thema gegeben, heißt es in einer persönlichen Notiz des Papstes, die ein am Wochenende veröffentlichter Artikel der italienischen Zeitschrift "Civiltà Cattolica" zitiert. Aber es sei "nicht mehr als das" gewesen, da keine echte "Unterscheidung" der Geister stattgefunden habe, so Franziskus. "Das war entscheidend bei meinem letztendlichen Urteil, als ich darüber nachgedacht habe, wie die Exhortation werden soll", so der Papst. Basierend auf dem Abschlussdokument der Synode hatte Franziskus das Nachsynodale Schreiben "Querida Amazonia" verfasst. 

Unterscheidung sei "etwas anderes als zu einem guten und gerechtfertigten Konsens oder einer relativen Mehrheit zu gelangen", schreibt Franziskus weiter. "Man muss verstehen, dass die Synode mehr als ein Parlament ist." Es sei bedeutend für die "synodale Pädagogik", dass sie dazu auffordere, die "Logik des Parlaments zu verlassen, um das Zuhören auf die Gemeinschaft zu lernen und auf das, was der Geist der Kirche sagt". Eine Synode bedeute, "dem ehrlichen Zuhören Zeit zu widmen". Würde jeder bei "seiner eigenen Wahrheit" stehen bleiben, hieße das, "ein Gefangener von sich selbst und der eigenen Positionen" zu werden. Als notwendige Haltung für die Kirche sei "in einem gewissen Sinn, die Synode nicht beendet", so Franziskus.

Der Artikel in der von den Jesuiten herausgegebenen Zeitschrift versucht das Pontifikat von Franziskus aus der ignatianischen Spiritualität heraus zu erklären. Der Begriff "Unterscheidung der Geister" spielt in der Frömmigkeit des Jesuitenordens, dem auch Franziskus angehört, eine entscheidende Rolle. Er basiert auf der Erfahrung des Ordensgründers Ignatius von Loyola, dass sowohl positive als auch negative Eingebungen, sogenannte Geister, auf den Menschen wirken und ihn zu guten oder bösen Handlungen bewegen wollen. Daher rät die Spiritualität der Jesuiten in Momenten der Besinnung auf diese Gefühlregungen zu schauen, zu reflektieren, welche Reaktionen sie im Inneren auslösen, und sie so in gute und böse Geister zu unterscheiden. 

Bei der im Oktober vergangenen Jahres im Vatikan abgehaltenen Sondersynode stand die Amazonas-Region im Zentrum der Beratungen. Im Abschlussdokument der Bischofsversammlung hatten sich die Synodenväter für die Weihe von bewährten verheirateten Männern ausgesprochen, die möglichst den indigenen Völkern angehören. Damit wollten sie die grundlegende Seelsorge in der von extremem Priestermangel geprägten Region sicherstellen. In "Querida Amazonia" nahm Papst Franziskus diese Empfehlung nicht auf, was weltweit für Aufsehen sorgte. (rom)