Bertram Meier
Nach Vatikan-Absage zu wechselseitiger Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl

Bischof Meier: Bei Mahlgemeinschaft klug mit Ausnahmen umgehen

Der Vatikan hat der Mahlgemeinschaft von Katholiken und Protestanten eine Absage erteilt. Augsburgs Bischof Bertram Meier teilt zwar bestimmte Einwände aus Rom gegen das Votum des Ökumenischen Arbeitskreises – sieht aber dennoch die Möglichkeit zu Ausnahmen.

Augsburg - 21.09.2020

Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat mit zwei Wünschen auf die Absage des Vatikan an gegenseitige Eucharistie/Abendmahls-Einladungen von Katholiken und Protestanten reagiert. Dies seien "zum einen die pastorale Klugheit der Seelsorger mit Ausnahmen umzugehen, zum anderen eine weitere vertiefte theologische Klärung vor allem des Eucharistie- beziehungsweise Abendmahlsverständnisses und des Weihepriestertums". Das sagte Meier am Montag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Auf diese zwei Dinge hoffe er, "um ökumenisch weitergehen zu können".

Am Wochenende war eine theologisch begründete Absage des Vatikan an gegenseitige Eucharistie/Abendmahls-Einladungen von Katholiken und Protestanten bekannt geworden. Die Unterschiede im Eucharistie- und Amtsverständnis seien "noch so gewichtig", dass sie eine Teilnahme katholischer und evangelischer Christen an der Feier der je anderen Konfession derzeit ausschlössen. Auch für eine "individuelle Gewissensentscheidung" gebe es keine Grundlage, heißt es in einem Schreiben der Glaubenskongregation an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, das der KNA vorliegt.

Die oberste katholische Glaubensbehörde äußert damit Einwände gegen ein gemeinsames Votum des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK) zur wechselseitigen Teilnahme an Abendmahl und Eucharistie. Deren Text vom vergangenen September, den auch Bätzing mitverantwortete, sollte zur Überwindung einer langjährigen Blockade beitragen. Bätzing hatte unlängst angekündigt, dieses Modell werde auch beim Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in Frankfurt im kommenden Jahr Anwendung finden.

"Das wäre ein völliger Paradigmenwechsel"

Meier schloss sich in Teilen den Einwänden der Glaubenskongregation an. Der Brief ihres Präfekten stelle klar, "dass die Bedingungen zur eucharistischen Gastfreundschaft bleiben, wie sie sind." Bisher gelte die Regel, "dass ich dort die Heilige Kommunion empfange, wo ich kirchlich dazugehöre". Die Tendenz des ÖAK-Votums weise in die entgegengesetzte Richtung: "Wo bislang die Ausnahme von der Regel begründungspflichtig war, soll sich nach dem Votum nun derjenige erklären, der die bisherige Ausnahme nicht zur Regel macht. Das wäre ein völliger Paradigmenwechsel." Die deutschen Bischöfe wollen das vatikanische Schreiben bei ihrer von Dienstag bis Donnerstag dauernden Herbstvollversammlung in Fulda diskutieren.

Meier gehört in der DBK der Kommission Ökumene an, in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) ist er stellvertretendes Vorstandsmitglied. Er hatte der KNA bereits im Juni gesagt, es wäre schön, wenn sich Katholiken und Protestanten bei Amtsverständnis und Mahlgemeinschaft annähern würden. "Ich träume von einem Papier, in dem wir das gemeinsame Bekenntnis betonen und nur nachrangig unsere Unterschiede benennen, so dass wir einem gemeinschaftlichen Kommunionempfang näherkommen."

In seinem Dokument mit dem Titel "Gemeinsam am Tisch des Herrn - Ökumenische Perspektiven bei der Feier von Abendmahl und Eucharistie" plädiert der ÖAK ausdrücklich für die Abendmahlsgemeinschaft von Katholiken und Protestanten. Demnach ist die "wechselseitige Teilnahme an den Feiern von Abendmahl/Eucharistie in Achtung der je anderen liturgischen Traditionen (...) theologisch begründet". Exegetische Studien und historische Forschungen lassen nach Auffassung der Autoren die in der Bibel grundgelegte und in der Traditionsgeschichte bezeugte Vielgestalt der eucharistischen Feierformen erkennen. Das erreichte Maß an Verständigung gerade auch zum Thema Eucharistie/Abendmahl selbst erlaubt es ihrer Ansicht nach nicht mehr, "die verbliebenen Differenzen als kirchentrennend zu betrachten". (tmg/KNA)