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Standpunkt

Absage der Mahlgemeinschaft: Reformer brauchen viel Geduld

Es gehe nicht nur um unterschiedliche theologische Ansichten, wenn die Glaubenskongregation das Votum für eine ökumenische Mahlgemeinschaft ablehnt, kommentiert Christof Haverkamp. Die psychologischen Auswirkungen dürften nicht unterschätzt werden.

Von Christof Haverkamp |  Bonn - 22.09.2020

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Keine gegenseitigen Einladungen zum Abendmahl – das ist eine der jüngsten Nachrichten aus dem Vatikan. Damit reagiert die Glaubenskongregation auch auf ein Votum des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen. Immerhin zehn Jahre hatten die Experten an der Studie "Gemeinsam am Tisch des Herrn" gearbeitet und gerade nicht einer Beliebigkeit das Wort geredet. Und nun die Absage aus Rom.

Beide Seiten führen theologische Gründe an. Doch die Sache hat auch psychologische Komponenten, und die sind nicht zu unterschätzen. Denn jetzt folgen die bekannten Reaktionen: Die lautstarke Rom-hat-immer-immer-recht-Fraktion, die sich für allein rechtgläubig hält, triumphiert – und die auch nicht gerade leise Rom-macht-immer-alles-falsch-Fraktion ist frustriert. Trotzig verweisen manche darauf, dass in ihrer Gemeinde das gemeinsame Abendmahl längst Praxis ist, und so werde es bleiben. Zur psychologischen Seite gehören ebenso enttäuschte Erwartungen, auf protestantischer Seite, in konfessionsverbindenden Ehen und bei allen, die den Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt vorbereiten.

Rom verbietet, Rom schränkt ein, Rom grenzt ab, Rom schließt aus – das bleibt in Deutschland hängen neben den theologischen, fast nur von Fachleuten verstandenen Feinheiten zur Eucharistie. Warum ein Stoppschild aufgestellt wird, ist schwer zu vermitteln. Auch den Interessierten.

Aufbruchsstimmung sieht anders aus. Die behutsamen Reformer, die weder das Kirchenrecht ignorieren wollen noch Vorschriften aus dem Vatikan, haben es schwer – wie der Limburger Bischof Georg Bätzing als Gastgeber des Ökumenischen Kirchentages oder Ökumene-Bischof Gerhard Feige aus Magdeburg. Sie brauchen viel Geduld.

Es wäre hilfreich, wenn die Verantwortlichen im Vatikan die Lebenswirklichkeit im Land der Reformation stärker in den Blick nehmen würden. Dazu gehört, dass katholische und evangelische Christen in vielen Großstädten und in den ostdeutschen Bundesländern längst in der Minderheit sind und näher zusammenrücken.

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche in Bremen und Senderbeauftragter der katholischen Kirche bei Radio Bremen.

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