Insignien des Bischofs
"Das reinigende Gewitter hat noch nicht wirklich stattgefunden"

Opfervertreter: Bischofsweihe von Missbrauchsvertuschern ungültig

In der Debatte über Rücktritte von kirchlichen Verantwortlichen im Missbrauchsskandal haben Opfervertreter einen neuen Vorschlag gemacht: Wer Taten vertuscht und Täter geschützt hat, dessen Bischofsweihe soll als ungültig betrachtet werden.

München - 26.09.2020

Opfervertreter haben einen neuen Vorschlag zur Aufarbeitung von Missbrauch in der katholischen Kirche ins Spiel gebracht. Wer etwa als Generalvikar Taten vertuscht und Täter geschützt habe, dessen Bischofsweihe sollte als ungültig betrachtet werden, sagte der Sprecher des Vereins "Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer" der "Süddeutschen Zeitung". Robert Köhler fügte hinzu, ähnlich wie bei katholischen Ehen sollte bei Priester- und Bischofsweihen geprüft werden können, dass diese womöglich nie bestanden hätten.

Köhler bezeichnete den Vorschlag als "provokante These". Weiter sagte er: "Wenn Verantwortliche in der Kirchenhierarchie über viele Jahre Missbrauchstäter neu eingesetzt haben, so dass Täter immer wieder aktiv werden konnten, müssen die Verantwortlichen Konsequenzen ziehen und auf ihre Ämter verzichten." Zu den bisherigen Bemühungen um Aufklärung in der katholischen Kirche sagte er: "Das reinigende Gewitter hat noch nicht wirklich stattgefunden."

Nach jahrelangen Debatten hatten sich die katholischen deutschen Bischöfe in der vergangenen Woche auf ein einheitliches Verfahren zur Anerkennung des Leides von Missbrauchsopfern verständigt. Die Leistungshöhe soll sich künftig an Urteilen staatlicher Gerichte zu Schmerzensgeldern orientieren. Demnach sollen Zahlungen bis zu 50.000 Euro für jeden Betroffenen möglich sein.

Köhler äußert sich dazu grundsätzlich zustimmend. "Das Modell ist vergleichbar mit dem von Österreich aus dem Jahr 2010, es kommt nur einfach sehr spät." Er wisse aber keine andere praktikable Lösung. Wichtig sei jetzt, "dass dieser Prozess im kommenden Jahr für die Betroffenen endlich abgeschlossen wird".

Köhler sagte weiter, das Thema Missbrauch müsse nun flächendeckend in der Kirche diskutiert werden. "Ich gehe davon aus, dass jede fünfte Gemeinde in den letzten 50 Jahren von Missbrauch betroffen war." In den Gemeinden gebe es dafür noch kein Bewusstsein. Pfarrer und andere Aktive in den Gemeinden müssten ein Zeichen setzen: "Wir wollen über die Vergangenheit reden, auch wenn es zu schwierigen Diskussionen führt. Die muss man durchstehen." Vertreter der Betroffenen und Diözesen sollten sich zusammentun, um diesen Prozess an der Kirchenbasis voranzubringen.

"Wir wollen über die Vergangenheit reden, auch wenn es zu schwierigen Diskussionen führt"

Das Thema Missbrauch müsse nun flächendeckend in der Kirche diskutiert werden, so Köhler. "Ich gehe davon aus, dass jede fünfte Gemeinde in den letzten 50 Jahren von Missbrauch betroffen war." In den Gemeinden gebe es dafür noch kein Bewusstsein. Pfarrer und andere Aktive in den Gemeinden müssten ein Zeichen setzen: "Wir wollen über die Vergangenheit reden, auch wenn es zu schwierigen Diskussionen führt. Die muss man durchstehen." Vertreter der Betroffenen und Diözesen sollten sich zusammentun, um diesen Prozess an der Kirchenbasis voranzubringen.

Mitte der Woche waren Teile des Entwurfs einer externen Untersuchung des Erzbistums Köln über den Umgang mit Missbrauchsfällen bekannt geworden. Darin wird die Rolle des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße in seiner Zeit als Personalchef und später Generalvikar in Köln thematisiert. Heße hatte in einem Interview Vorwürfe aus der unveröffentlichten Studie zurückgewiesen, nach denen er als Personalchef Missbrauchsfälle vertuscht haben soll.

Im Vorfeld der Vollversammlung hatte sich auch der Vatikanische Experte für Missbrauchsprävention, Pater Hans Zollner, geäußert, er rechne in Zukunft mit Rücktritte von Verantwortlichen. "Es wird vielleicht erzwungen werden müssen durch öffentlichen Druck. Aber es wird passieren", so Zollner. Wer Schuld auf sich geladen habe, müsse dafür geradestehen: "Wir sind keine Sonderwelt." Die Kirche dürfe nicht "bei dem Leid der Betroffenen stehen bleiben", sondern müsse auch fragen: "Wer hat das ermöglicht, welche Abläufe waren dafür verantwortlich, welche Personen waren dafür verantwortlich, was hat sie daran gehindert, ihrer Verantwortung gerecht zu werden?"

Nach Ansicht des Trierer Bischofs Stephan Ackermann könne das auch passieren. "Wenn man durch die jetzt anstehenden unabhängigen Aufarbeitungsprozesse zu der Erkenntnis kommt, da sind Menschen ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden und deswegen wurde anderen Menschen Schaden zugefügt", sagte er in einem Interview mit katholisch.de. Über Rücktritte hätten die Bischöfe bei ihren Beratungen bei der Vollversammlung aber nicht gesprochen. (cbr/KNA)