Auch Bistum Speyer will Anerkennungszahlungen aus Bischöflichem Stuhl
Bild: © Bistum Speyer
"Wer einen Missbrauch begeht, hat für die Folgen seines Tuns gerade zu stehen"

Auch Bistum Speyer will Anerkennungszahlungen aus Bischöflichem Stuhl

Zahlungen an Missbrauchsopfer werden auch im Bistum Speyer nicht aus der Kirchensteuer, sondern aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls finanziert. Zugleich sagt Generalvikar Andreas Sturm, was bei noch lebenden Tätern passiert.

Speyer - 09.10.2020

Das Bistum Speyer will Anerkennungszahlungen an Missbrauchsopfer aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls finanzieren. Der Steuerrat der Diözese habe entschieden, diese Zahlungen nicht aus dem Diözesanhaushalt und damit aus Kirchensteuermitteln zu leisten, teilte das Bistum am Donnerstag mit. Beispielsweise würden Gelder verwandt, die aus dem Verkauf des Bistumshauses Sankt Josef in Speyer stammen, so Generalvikar Andreas Sturm (Foto). Bislang seien an 55 Betroffene rund 482.000 Euro gezahlt worden.

Auf Basis der neuen Vereinbarung rechnet die Diözese damit, dass insgesamt drei bis vier Millionen Euro an von Missbrauch Betroffene gezahlt werden könnten. Dabei sollten noch lebende Missbrauchstäter finanziell in Regress genommen werden, so der Generalvikar. "Wer einen Missbrauch begeht, hat für die Folgen seines Tuns gerade zu stehen, menschlich, juristisch und auch finanziell."

Damit entschied die Diözese, wie sie das zum 1. Januar von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vereinbarte, bundesweit einheitliche Verfahren zur Anerkennung des Leides von Missbrauchsopfern in der katholischen Kirche umsetzen wird. Die Leistungshöhe orientiert sich dabei an Urteilen staatlicher Gerichte zu Schmerzensgeldern. Daraus ergeben sich Einmalzahlungen von bis zu 50.000 Euro. Zusätzlich werden Betroffenen Kosten für Therapien erstattet. Zuvor hatten bereits die Bistümer Münster und Würzburg angekündigt, die Anerkennungszahlungen aus Mitteln der Bischöflichen Stühle zu finanzieren.

Bistum will Betroffenenbeirat gründen

Auch will das Bistum Speyer Betroffene von Missbrauch an Aufarbeitung und Prävention beteiligen. "Wir können den Missbrauch in der Kirche nur aus der Opferperspektive angemessen verstehen und beurteilen", sagte Sturm. Die Unterstützung der Betroffenen sei auch für die Prävention entscheidend, "um zu erkennen, wie sich das Risiko reduzieren und die Sicherheit für Kinder und Jugendliche durch wirksame Prävention verbessern lässt". Entsprechend der Absprache aller Bistümer in Deutschland will auch Speyer in den kommenden Monaten einen Betroffenenbeirat gründen. Geplant seien drei bis vier jährliche Treffen. Der Beirat solle die Arbeit des Bistums kritisch begleiten, so Sturm.

Zudem will die Diözese eine unabhängige Expertenkommission einrichten, die beispielsweise untersuchen wird, welche spezifischen Faktoren und Strukturen Missbrauch und sexualisierte Gewalt im Raum der Kirche begünstigt haben. Auch in dieser Kommission sollen Betroffene mitarbeiten. (tmg/KNA)