Kragen eines Priesters. Kollar. Außerhalb liturgischer Handlungen getragenes schwarzes Brusttuch oder Hemd mit Stehkragen mit einem weißen quadratischen oder rechteckigen Kragenstück, dass in den Bund integriert ist.
Juristisches Verfahren gegen Kleriker noch nicht beendet

Missbrauch: Staatsanwaltschaft Aachen greift Beschluss zu Pfarrer an

Dem Priester des Bistums Aachen wird vorgeworfen, sich 2003 an einem Schutzbefohlenen vergangen zu haben. Während es am Mittwoch so aussah, als würde der Fall eingestellt, kommt jetzt die Wende.

Aachen/Jülich - 16.10.2020

Das juristische Verfahren um einen des Missbrauchs angeklagten Priester aus dem Bistum Aachen ist noch nicht zu Ende. Die Staatsanwaltschaft Aachen legte beim dortigen Landgericht Beschwerde gegen den Beschluss des Amtsgerichtes Jülich ein, kein Verfahren gegen den Geistlichen zu eröffnen. Die Würdigung der Beweise sei ureigenste Aufgabe von Gericht und Staatsanwaltschaft im Rahmen der Hauptverhandlung, sagte Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zur Begründung.

Dem Pfarrer wird vorgeworfen, 2003 in Inden einen Messdiener unsittlich berührt und sich damit zugleich an einem Schutzbefohlenen vergangen zu haben. Das Amtsgericht hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass es "eine überwiegende Wahrscheinlichkeit" für einen Freispruch sehe. Eine Gutachterin habe die Glaubhaftigkeit des einzigen Belastungszeugen überprüft und sei dabei an methodische Grenzen gestoßen. Zudem sei die Vorsätzlichkeit einer sexuellen Handlung nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachzuweisen. Die Staatsanwaltschaft Aachen hatte den zuletzt in Mönchengladbach tätigen Geistlichen im vergangenen Oktober angeklagt. Daraufhin stellte das Bistum Aachen den Priester von seinen Ämtern frei, betonte aber die Unschuldsvermutung.

Kirchliche Voruntersuchung wird eingeleitet

Die Personalchefin der Diözese, Margherita Onorato-Simonis, bedauerte am Donnerstag, dass sich die Entscheidung über die Eröffnung eines Hauptverfahrens verzögert habe. "Aber wir sind sicher, dass die Staatsanwaltschaft sehr gründlich recherchiert hat." Unabhängig von der Entscheidung des Amtsgerichtes leite das Bistum entsprechend den kirchlichen Vorschriften eine Voruntersuchung gegen den Priester ein. Wenn es Hinweise auf einen Verstoß gegen das Kirchenrecht gebe, müsse die vatikanische Glaubenskongregation über die Einleitung eines Kirchenrechtsverfahrens entscheiden. Solange bleibe der Pfarrer vom Dienst freigestellt.

Weiter kündigte das Bistum an, dass der seit April amtierende Interventionsbeauftragte der Diözese, Helmut Keymer, den Fall intensiv begleiten werde. Er wolle Gespräche führen mit dem Betroffenen, dem Beschuldigten und den Verantwortlichen in der betroffenen Gemeinde. Vor der Anklage gab es laut Diözese keine Hinweise auf sexualisierte Gewalt durch den Geistlichen. In den zurückliegenden Jahren sei mit ihm aber mehrfach wegen eines "grenzwertigen Nähe-Distanz-Verhaltens" gesprochen worden. Auch habe er Verhaltensauflagen erhalten.

Unterdessen forderte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, die katholischen Bistümer nachdrücklich auf, Opfern schweren sexuellen Missbrauchs mehr Geld zu geben. Die Ende September beschlossenen Einmalzahlungen von bis zu 50.000 Euro reichten für schwere Fälle nicht aus, sagte Rörig der "Augsburger Allgemeinen" (Freitag). "Es gibt mit hoher Sicherheit Fälle schweren sexuellen Missbrauchs, für die dieser Betrag inakzeptabel erscheint", betonte der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. (tmg/KNA)