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Standpunkt

Im Umgang mit Homosexuellen muss Papst Franziskus endlich aktiv werden

Papst Franziskus befürwortet zivile Lebenspartnerschaften für Homosexuelle. Das sei auch ein Statement für die Kirche, kommentiert Christoph Paul Hartmann. Der Pontifex habe einen Maßstab gesetzt, dem er nun auch selbst genügen müsse.

Von Christoph Paul Hartmann |  Bonn - 23.10.2020

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Papst Franziskus ist für die rechtliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften. Nach der Premiere des Dokumentarfilms, in dem er diese Ansicht äußert, schwappte ihm direkt eine Mischung aus Jubel und Empörung entgegen – je nachdem, wie jeweilige Beobachter zum Umgang der Kirche mit Lesben und Schwulen stehen.

Um die Bedeutung dieses Statements kurz zu umreißen: Einerseits hat der Papst lediglich formlos seine Privatmeinung zu einem Thema außerhalb der Kirche geäußert (es geht ja um staatlich eingetragene Partnerschaften) und einen Standpunkt wiederholt, den er auch schon in seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires vertreten hat. Andererseits bricht damit erstmals ein Pontifex mit der kirchlichen Auffassung, dass nicht-heterosexuelle Partnerschaften generell abzulehnen sind. Der Kommentar von Franziskus hat somit auch für den künftigen Standpunkt der Kirche Gewicht.

Entscheidend und damit spannend wird nun, ob und wie es weitergeht. Die sakramentale Ehe für gleichgeschlechtliche Paare wird nicht kommen, an deren ausschließlich heterosexueller Definition kann und wird auch der Papst nichts ändern. Aber eigentlich könnte und müsste er nun die etwa im Katechismus festgehaltene Lehre der Kirche von der unbedingten Ablehnung homosexueller Partnerschaften revidieren und aktualisieren, sie weg von einer überholten Naturrechts-Auffassung hin zu einem interdisziplinär-umfassenden Menschenbild weiterentwickeln. So wäre sein Handeln konsequent und in sich schlüssig.

Bisher zieht der Papst allerdings pastorale Lösungen der Arbeit an Gesetzestexten vor, man denke etwa an die Eucharistie für wiederverheiratet Geschiedene. In der Frage homosexueller Partnerschaften muss der Pontifex nun aber endlich aktiv werden! Schon viel zu lange begnügt er sich mit oft folgenlosen Wortmeldungen, während die Kirche in vielen Teilen der Welt – auch in Europa – aktiv an deren Ausgrenzung und Diskriminierung mitarbeitet. Wenn er nicht-heterosexuelle Menschen auch als Paare in der Kirche wirklich willkommen heißen will, muss er das auch mit Handlungen ausdrücken. Alles unterhalb eines Segens für diese Paare wäre überaus schwach für eine Kirche, der das Wohl und Heil aller Menschen am Herzen liegen sollte. Die fundamentaltheologische, kirchenrechtliche und liturgische Vorarbeit dazu ist lange getan. Es braucht jetzt den entscheidenden Fingerzeig von ganz oben. Franziskus muss sich an seinen eigenen Maßstäben messen lassen.

Von Christoph Paul Hartmann

Der Autor

Christoph Paul Hartmann ist Redakteur bei katholisch.de.

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