Papst Franziskus: So wähle ich meine Reiseziele aus
Gott habe ihm Weg zu erster Reise nach Lampedusa gewiesen

Papst Franziskus: So wähle ich meine Reiseziele aus

Wie schon seine Vorgänger bereist auch Papst Franziskus die ganze Welt. Dabei besucht er häufig Länder, in denen Katholiken nur eine kleine Minderheit sind. Wie der Papst seine Reiseziele auswählt, hat er nun erklärt – anhand eines Beispiels.

Belgrad/Vatikanstadt - 03.11.2020

Papst Franziskus hat anhand der ersten Reise seines Pontifikats auf die italienische Insel Lampedusa im Jahr 2013 erklärt, wie er seine Reiseziele auswählt. Ein Brief des Pfarrers von Lampedusa, in dem der Geistliche von den ankommenden Flüchtlingen auf der Mittelmeerinsel berichtete, habe ihn innerlich berührt, sagte Franziskus in einem am Wochenende veröffentlichten Interview mit der serbischen Zeitung "Politika". "Ich fühlte die Gegenwart des Herrn, der mir den Weg zeigte: Dorthin musst Du gehen, zuhören und in die Klage dieser Brüder einstimmen", so der Pontifex. Er habe das Ziel seiner ersten Reise als Papst nicht selbst gewählt: "Man könnte sagen, dass der Ort mich ausgewählt hat."

Franziskus versucht stets, Gefangene zu treffen

Er versuche bei der Auswahl seiner Reiseziele die Länder bevorzugt zu behandeln, in die noch kein Papst gereist sei, so Franziskus weiter. "Sich treffen zu können, zuzuhören, Eucharistie zu feiern und zu entdecken, wie unsere Brüder den Glauben unter widrigen Umständen leben, tut uns allen gut." Bei der Vorbereitung einer Reise hätten ihm seine Mitarbeiter in der Kurie davon abgeraten, da es "in dieser Region nur sehr wenige Katholiken" gebe, so Franziskus. Sie hätten ihm geraten, "einen anderen Ort in Betracht zu ziehen". Doch er habe "spontan" geantwortet: "Haben unsere Brüder, nur weil es wenige von ihnen gibt, weniger Rechte als die anderen?" Den Glauben im Kontext von Verfolgung oder als Minderheit zu leben, sei ein "wertvolles Zeugnis".

Von der Peripherie aus sei es einfacher, "Perspektiven, Schwerpunkte, Ungerechtigkeiten, Verletzungen und Zeichen der Hoffnung zu sehen, die wir oft ignorieren, wenn wir im Zentrum sind". Auch aus diesem Grund versuche er bei seinen Reisen meist Gefängnisse zu besuchen und Menschen zu treffen, die "von der Gesellschaft als Fremdkörper behandelt werden". Anlass für das Interview mit der serbischen Zeitung ist das 100-jährige Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Serbien. (rom)