Ein Mikrofon vor einem Kreuz
Nach Kritik an Umgang mit Missbrauchsstudie

Erzbistum Köln: Sprecher des Betroffenenbeirats Bauer tritt zurück

Von der Entscheidung, die ursprüngliche Missbrauchsstudie des Erzbistums Köln nicht zu veröffentlichten, hat er sich später distanziert: Nun beendet Sprecher Patrick Bauer seine Arbeit im Betroffenenbeirat der Erzdiözese – es fehle das Vertrauen.

Köln - 05.11.2020

Patrick Bauer ist nicht mehr Sprecher des Beirats von Betroffenen sexualisierter Gewalt beim Erzbistum Köln. Er habe nicht mehr das Gefühl, das Vertrauen des derzeit acht Personen umfassenden Gremiums zu haben, sagte er am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Bei der Sitzung des Gremiums am Mittwochabend habe die eine Hälfte dem Vorgehen des Erzbistums bei der Missbrauchsstudie zugestimmt, während die anderen Mitglieder seiner Kritik gefolgt seien.

Das Erzbistum Köln hatte am vergangenen Freitag mitgeteilt, das Ende 2018 bei der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) beauftragte Gutachten über mögliches Fehlverhalten von Bistumsverantwortlichen im Umgang mit Missbrauchsfällen wegen methodischer Mängel nicht zu veröffentlichen und einen neuen Gutachter zu beauftragen. Dem stimmte am Vorabend der Betroffenenbeirat zu, wie dieser und das Erzbistum gemeinsam mitteilten.

Zweifel Bauers nach Entscheidung des Erzbistums

Im Nachhinein bekundete Bauer aber Zweifel. Gegenüber katholisch.de erklärte er am Montag, dass er entgegen der gemeinsamen Erklärung von Erzbistum und Betroffenenbeirat nun dafür plädiere, Transparenz herzustellen und das Münchner Gutachten doch zu veröffentlichen. Auf der Sitzung des Betroffenenbeirats sei er "überrascht" worden. Auf der Tagesordnung sei nur ein Tagesordnungspunkt angekündigt gewesen, der sich mit dem "Weitergang der unabhängigen Untersuchung" befasse, ohne nähere Informationen. Die Zitate Bauers in der gemeinsamen Erklärung seien zwar so in der Sitzung gefallen, im Nachgang des Treffens sei ihm aber klar geworden, dass es dabei "Dinge gab, die nicht gut gelaufen sind". Daher habe er seine Meinung geändert und würde sich im Nachhinein so nicht mehr äußern. Für seine öffentlich geäußerte abweichende Meinung sei er in der jüngsten Beiratssitzung hart kritisiert worden, so Bauer.

Der Beirat wurde erstmals am 29. Oktober von der Erzdiözese darüber informiert, dass es in der Münchner Untersuchung methodische Mängel sehe. Zugleich wurde die gemeinsame Entscheidung getroffen, den Vertrag mit WSW zu kündigen und den Kölner Strafrechtsexperten Björn Gercke mit einem neuen Gutachten zu betrauen. Der Auftrag an ihn wurde aber bereits am 26. Oktober "vorsorglich" erteilt, wie das Erzbistum auf Anfrage mitteilte.

Der Betroffenenbeirat wurde Ende 2018 gegründet. Die ursprünglich zehn Mitglieder sollen das Erzbistum in der Präventionsarbeit beraten. Wegen der aufgekündigten Zusammenarbeit mit der Münchner Kanzlei war ein Mitglied aus dem Gremium ausgeschieden. Ein weiteres Mitglied hatte den Rat im Sommer verlassen. (tmg/KNA)