"Mess-Hopper" bewerten Online-Gottesdienste – Priester verärgert
Neues Phänomen im Zuge der Corona-Pandemie

"Mess-Hopper" bewerten Online-Gottesdienste – Priester verärgert

Sie klicken sich von einem Online-Gottesdienst zum nächsten und kommentieren die "Performance" der Zelebranten: "Mess-Hopper" sorgen unter katholischen Priestern in Irland für Verstimmung – und mancherorts für die Einstellung des Livestreams.

Dublin - 10.11.2020

Im Zuge der Corona-Pandemie müssen sich katholische Priester in Irland mit einem neuen Phänomen auseinandersetzen: "Mess-Hopper", die sich von einem Online-Gottesdienst zum anderen klicken und den Auftritt der Zelebranten kommentieren, bereiten ihnen zunehmend Probleme. Deren "äußerst schmerzliche Kritik" verärgere viele Geistliche, die ohnehin unsicher und "keine Performer" seien, sagte ein Sprecher der "Association of Catholic Priests" laut einem Bericht der Zeitung "Irish Independent" (Dienstag) bei der Hauptversammlung der Priestervereinigung. Einige der Kommentare seien "sehr verletzend", weshalb einige Priester aufgehört hätten, Online-Dienste anzubieten. Sie hätten die Situation schlicht "nicht mehr aushalten" können.

In einer Kolumne auf der Website der irischen Wochenzeitung "The Mayo News" hieß es vergangene Woche, Priester seien durch die wachsende Zahl von gestreamten Messen immer stärker unter Handlungsdruck geraten. Viele von ihnen seien allerdings bereits um die 70 Jahre alt, technisch nicht versiert und empfänden es als "Gräuel", in einer leeren Kirche vor einer Kamera oder einem Smartphone die Messe zu halten. Dass es nun "Keyboard-Krieger" gebe, die ihre Zeit damit verbrächten, "aus der sicheren Entfernung ihrer Wohnzimmer im Schlafanzug virale Kugeln abzufeuern", täte ein Übriges. "Viele Priester, besonders die älteren Männer, leiden unter tiefen Verletzungen wegen all der Kommentare und der Giftigkeit, die sie online verfolgen können."   

Die katholische Kirche in Irland hat auch mit den finanzellen Folgen der Pandemie zu kämpfen. Die coronabedingten Kirchenschließungen haben zu einem Einbruch bei den Spenden geführt. Im Erzbistum Dublin sollen die Einnahmen zwischen März und Juni um bis zu 80 Prozent zurückgegangen sein. Den Priestern der Erzdiözese wurde deshalb bereits das Gehalt um 25 Prozent gekürzt. Zugleich laufen Überlegungen, von Laien besetzte Stellen abzubauen. Da die Kirche in Irland anders als in Deutschland auf private Zuwendungen angewiesen ist, sehen manche Stimmen sogar ihre weitere Existenz gefährdet. (mal)