Bischof Bertram Meier
Dialogbeauftragte der großen Religionen in Deutschland tauschen sich aus

Bischof Meier: Religionsgemeinschaften tragen gemeinsame Verantwortung

Wie sieht erfolgreicher interreligiöser Dialog aus? Welche gemeinsame Verantwortung haben die unterschiedlichen Religionsgemeinschaften? Augsburgs Bischof Bertram Meier nahm bei einer Diskussionsveranstaltung Stellung.

Bonn - 17.11.2020

Erfolgreicher interreligiöser Dialog speist sich nach den Worten des Augsburger Bischofs Bertram Meier vor allem aus einem selbstverständlichen Miteinander im Alltag. Er gelinge dann, "wenn Menschen unterschiedlicher Religionen auf ganz selbstverständliche Weise miteinander sprechen, miteinander den Alltag teilen und gemeinsam die Gesellschaft gestalten", erklärte der Vorsitzende der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am Dienstag. Er würdigte eine "gesellschaftliche Relevanz" von vielen lokalen Dialog-Initiativen hierzulande.

Meier äußerte sich im Zusammenhang mit einer Podiumsdiskussion, die online stattfand. Die von der Eugen-Biser-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), organisierte Veranstaltung widmete sich dem "Beitrag von Dialogbeauftragten der Religionsgemeinschaften und Vertretern gemischtkonfessioneller Dialogprojekte für ein gelingendes Zusammenleben". Daran nahmen nach Angaben der DBK neben Meier und Widmann-Mauz die evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs, der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime, Burhan Kesici, sowie der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, teil. Die Teilnehmer tauschten sich demnach vor allem über Praxisbeispiele der interreligiösen Dialogarbeit aus, darunter das von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) zusammen mit jüdischen und muslimischen Partnern initiierte Projekt "Weißt du, wer ich bin?" und die Drei-Religionen-Schule im Bistum Osnabrück.

Die Religionsgemeinschaften seien gemeinsam "für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung" verantwortlich, betonte Meier. Dies sei "in Zeiten, in denen Religion für Ausgrenzung und Spaltung, ja sogar für Krieg und Terror instrumentalisiert wird", wichtiger denn je. Am Ende gehe es um die Sorge für "unser gemeinsames Haus", wie er in Anlehnung an Papst Franziskus betonte. Meier nannte auch die Voraussetzungen für ein gelingendes Miteinander: "Ein aufrichtiger Dialog zeichnet sich durch das Selbst-Bewusstsein der Gesprächspartner ebenso aus wie durch die Bereitschaft, auch eigene Schwächen und Lernerfahrungen zu reflektieren und ins Wort zu bringen."

"Damit erreichen wir die, die problematisch sind, nicht"

Widmann-Mauz sieht den interreligiösen Dialog als ein Präventionsmittel gegen ein Auseinanderdriften der Gesellschaft. Er bewahre "vor Ideologien, die Religion benutzen, um die Gesellschaft zu spalten", sagte die Politikerin. Kontakte zwischen Religionsvertretern zeigten, "dass uns so viel mehr eint, als uns trennen mag". Die Politikerin ergänzte: "Der interreligiöse Dialog führt Menschen zusammen, baut Vorurteile ab. Ein Großteil der Bevölkerung ist gläubig, und zwar auf vielfältige Weise. Je besser sich die Gläubigen verstehen, desto besser ist das für die Gesellschaft."

Widerspruch kam vom Vorsitzenden des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland Kesici. Er sehe den Religionsdialog nicht als Prävention: "Damit erreichen wir die, die problematisch sind, nicht." Kesici attestierte dem Austausch indes eine positive Wandlung in den vergangenen Jahren: "Anfangs machte ich die Erfahrung, dass ich mich rechtfertigen musste für bestimmte Positionen, die ich teils gar nicht kannte. Heute läuft der Dialog auf Augenhöhe und es geht weniger um theologische als um gesellschaftliche Fragen."

Die Hamburger Bischöfin Fehrs betonte, es gehe beim interreligiösen Dialog nicht darum, den anderen vom eigenen Glauben zu überzeugen. Der Dialog lebe vielmehr davon, "dass man sich mit dem Unterschied befreundet". Gemeinsame Grundlage sei: "Man steht gemeinsam für die Würde des Menschen und gegen Gewalt ein." Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden Lehrer mahnte, der Religionsdialog dürfe nicht nur von oben, von Spitzenvertretern aus, stattfinden. Es brauche auch einen Austausch von unten, etwa in Schulen. (tmg/KNA)