Polnische Professoren verurteilen Kritik an Johannes Paul II.
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Mehr als 1.200 Wissenschaftler veröffentlichen gemeinsamen Aufruf

Polnische Professoren verurteilen Kritik an Johannes Paul II.

Die Vorwürfe sollten "das Bild einer Person, die höchsten Respekt verdient, in jemanden verwandeln, der mitschuldig an abscheulichen Verbrechen sei": 1.200 polnische Akademiker verteidigen Johannes Paul II. gegen Kritik nach dem McCarrick-Bericht.

Warschau - 26.11.2020

Mehr als 1.200 polnische Professoren und Wissenschaftler verteidigen Papst Johannes Paul II. (1978-2005) gegen mögliche Verleumdungen. In einem gemeinsamen Aufruf mit Blick auf eine "Welle von Anschuldigungen" gegen den aus Polen stammenden Papst weisen sie Vorwürfe zurück, er habe pädophile Taten von katholischen Geistlichen vertuscht. Eine gründliche Analyse des Untersuchungsberichts des Vatikan zum entlassenen US-Kardinal Theodore McCarrick habe "keinerlei Tatsachen" festgestellt, die Grundlage für derartige Beschuldigungen sein könnten, so die Unterzeichner laut polnischen Medienberichten (Mittwoch).

Sie kritisieren, die Vorwürfe sollten "das Bild einer Person, die höchsten Respekt verdient, in jemanden verwandeln, der mitschuldig an abscheulichen Verbrechen sei". Solche Angriffe gegen das Gedenken an Johannes Paul II. nähmen sie mit Traurigkeit und großer Besorgnis auf. Als in der Wissenschaft tätige Personen verstünden sie die Notwendigkeit einer eingehenden Untersuchung der Biografien herausragender historischer Persönlichkeiten. "Doch eine ausgewogene Reflexion und gründliche Analyse hat nichts mit einer emotionalen, nicht auf Vernunft basierenden oder ideologisch motivierten Zerstörung des Bildes zu tun", heißt es in dem Aufruf.

"Sie schaden nicht Johannes Paul II., sondern sich selber"

Unterschrieben haben den Text auch die ehemalige polnische Ministerpräsidentin und spätere Botschafterin beim Vatikan, Hanna Suchocka, der Filmregisseur Krzysztof Zanussi und weitere bekannte Persönlichkeiten, die an Hochschulen arbeiten. "Indem sie Johannes Paul II. verleumden und zurückweisen, schaden sie nicht ihm, sondern sich allein sehr", betonen sie. Denn die Ankläger zeigten, dass sie keinen Respekt vor historischen Leistungen hätten. Der Papst habe die Weltgeschichte positiv beeinflusst. Er sei ein wichtiger Förderer der Idee der Freiheit von Menschen und Nationen gewesen.

Der Vatikan hatte am 10. November den rund 450 Seiten umfassenden Bericht der Kurienleitung über den Aufstieg des heute 90-jährigen McCarrick vorgelegt. Nach Vorwürfen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen wurde McCarrick 2018 aus dem Kardinalsstand und 2019 aus dem Klerikerstand entlassen. McCarricks Fehlverhalten war dem Vatikanbericht zufolge seit den 90er Jahren gerüchteweise bekannt, verhinderte aber nicht seinen Aufstieg in der Kirchenhierarchie.

Eine aktuelle Umfrage in Polen kam zu einem differenzierten Ergebnis. 51 Prozent seiner Landsleute meinten demnach, Johannes Paul II. habe nicht genug gegen sexuellen Missbrauch durch Geistliche unternommen; 23 Prozent hielten seine Maßnahmen hierzu für ausreichend. Die Amtszeit des polnischen Papstes bewerteten 83 Prozent als gut und nur 6 Prozent als schlecht.

Auch von anderer Seite hatte der polnische Papst bereits Rückendeckung erhalten. "Der Fall des ehemaligen Kardinals McCarrick ist auch ungerecht für den heiligen Johannes Paul II., der von ihm zynisch betrogen wurde", erklärte der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki. "Wenn man den Bericht auf ehrliche und kluge Weise liest, ist offensichtlich, dass die Person Johannes Pauls II. rein daraus hervorgeht", sagte der Postulator im Heiligsprechungsverfahren für Johannes Paul II., Slawomir Oder. (tmg/KNA)