Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort bei der Live-Übertragung einer Messe
Derzeitige Corona-Schutzbestimmungen seien unverhältnismäßig

Gottesdienste: 30-Personen-Obergrenze in Frankreich gekippt

Hunderte Katholiken hatten demonstriert, die Bischöfe geklagt: Jetzt erklärten die obersten Verwaltungsrichter Frankreichs die derzeitigen Corona-Schutzbestimmungen bei Gottesdiensten für unverhältnismäßig.

Paris - 30.11.2020

Frankreichs Staatsrat hat die Regierung aufgefordert, die Obergrenze von 30 Personen für religiöse Zeremonien binnen drei Tagen zu überarbeiten. Die obersten Verwaltungsrichter erklärten damit die derzeitigen Corona-Schutzbestimmungen für unverhältnismäßig und erinnerten laut französischen Medienberichten (Sonntag) an den besonderen Rang der Religionsfreiheit.

Der Staatsrat unterstützt mit seiner neuerlichen Entscheidung einen Vorstoß der katholischen Bischofskonferenz und des Pariser Erzbischofs Michel Aupetit, die Rechtsmittel gegen die Beschränkungen eingelegt hatten. In einem ersten Urteil vom 9. November hatte der Staatsrat die damals noch strengeren Schutzmaßnahmen mit Blick auf den von der Verfassung gebotenen Gesundheitsschutz noch für verhältnismäßig erklärt. In vielen Städten Frankreichs hatten Mitte November teils Hunderte Menschen für die Wiederaufnahme von öffentlichen Gottesdiensten demonstriert. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr hatten Gläubige den Bischöfen vorgeworfen, sie hätten sie spirituell im Stich gelassen und nicht genug um die Messfeier als geistliches "Grundnahrungsmittel" der Katholiken gekämpft.

Zuletzt hatte die Regierung in Paris nachgegeben und Gottesdienste für maximal 30 Personen wieder zugelassen. Das gilt unabhängig von der Größe des Gotteshauses und somit auch für Kathedralen, in denen normalerweise tausende Plätze vorhanden sind. Auch dagegen erhob die Bischofskonferenz Widerspruch. Der Vorsitzende der Konferenz, Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort, nannte die Pläne "unrealistisch und nicht anwendbar". Die Bischöfe fordern eine Zulassung von 30 Prozent der normalen Auslastung von Gotteshäusern nach Fläche. 30 Personen in teils riesigen Kirchen seien unverhältnismäßig. Für Sonntagabend war ein Treffen von Kirchenvertretern mit Ministerpräsident Jean Castex angesetzt. (tmg/KNA)