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Standpunkt

Jesus war nun mal ein Mann!

Warum musste Gott ausgerechnet als jüdischer Wanderprediger aus Galiläa Mensch werden, und noch dazu als Mann? Die Antwort sei klar, kommentiert Eckhard Nordhofen: Es sei nun mal so gewesen – und wer es besser zu wissen meine, sei anmaßend.

Von Eckhard Nordhofen |  Bonn - 02.12.2020

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Was kommt da auf uns zu? Weihnachten, also das Fest, an dem Gott Mensch geworden ist. Mensch – und nicht Mann. Das ist ein angesagtes Argument in der Debatte um die Frauen in der Kirche. Warum nicht die Heilsgeschichte à jour bringen. Wenn es dort heißt, "ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt", könnte man den Vers alsbald irgendwie in gerechtes Deutsch umformulieren. Dass Jesus männlichen Geschlechts war, darauf müsste es nun nicht mehr ankommen. Mit ein wenig Abstraktion, so meinen nicht nur Feministinnen, sondern neuerdings auch einige Bischöfe, ganz auf der Höhe der Zeit, könnte man den Gender-Aspekt loswerden. Wenn die Verhältnisse vor 2.000 Jahren nicht so patriarchalisch gewesen wären, hätten wir es vielleicht mit der Trinität von Vater, Tochter und heiligem Geist zu tun. Why not? Dann könnten wir die Heilsgeschichte ganz anders erzählen.

Überhaupt: Hat schon mancher gefragt, warum sich das große, die Zeiten wendende Ereignis der Inkarnation so lächerlich zufällig und kontingent anfühlt? Warum hatte es ausgerechnet in der Levante stattfinden müssen? Warum musste es gerade ein Mann, ein galiläischer Wanderprediger, ein beschnittener Jude sein? Wäre ein griechischer Philosoph nicht besser gewesen? Warum hat sich nicht überhaupt alles in Griechenland, der damaligen Leitkultur abgespielt? Wir wissen die Antwort. Sie lautet: Es war so und nicht anders! Warum, das wissen wir nicht! Wer es besser zu wissen meint, ist ein Usurpator, der sich anmaßt, was ihm nicht zusteht.

Und wer ist der Autor der Heilsgeschichte? Bei allem Respekt – nicht Johanna Rahner, nicht der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, nicht der Bischof von Fulda und auch nicht der Erzbischof von Hamburg. Das "Geheimnis des Glaubens", das wir im Hochgebet bekennen, ist auch das Mysterium der Kontingenz. Ich bin durchaus dafür, dass Frauen zu Diakoninnen geweiht werden und auch Sakramente spenden. Der Wunsch von Schwester Katharina Kluitmann, der Vorsitzenden der Deutschen Ordesoberenkonferenz, dass man bei Frauen sollte beichten können, verdient alle Unterstützung.

Von Eckhard Nordhofen

Der Autor

Eckhard Nordhofen ist ein deutscher Theologe und Philosoph. Von 2001 bis 2010 war er Leiter des Dezernates Bildung und Kultur im Bistum Limburg. Bis 2014 lehrte er außerdem theologische Ästhetik und Bildtheorie an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Hinweis

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